Von Karl-Heinz Baum

Mainz

Der Wald ist dem Schutze des ganzen Volkes anvertraut... Er übt einen günstigen Einfluß auf Klima und Wasserhaushalt aus. Er ist auch Stätte der Erholung und der Gesundheit für die Menschen. Den Wald zu pflegen und zu schützen, seinen Ertrag zu mehren, ist daher unerläßliche Aufgabe des Waldbesitzers.“ So steht es in Paragraph 1 des rheinland-pfälzischen Forstgesetzes. Doch Nachrichten aus der Provinz lassen nur den Schluß zu: Die Holzhacker sind am Werk:

  • Am Stadtrand von Mainz soll ein 35 Hektar großes Waldgelände im ohnehin waldarmen Rheinhessen abgeholzt werden. Mehrere Bäume ragen nämlich in die Sichtschneise zwischen der Raketenbasis Ober-Olm und der Feuerleitstelle Wackernheims hinein; der Radarempfang ist beeinträchtigt.
  • Die Gemeinde Bellheim (Kreis Germersheim) will einen Teil des Gemeindewaldes an die Ölfirma BP verkaufen. Dort soll ein Tanklager für die geplante Raffinerie bei Germersheim entstehen. Bellheims Bürgermeister Adam spricht von „zunächst 25 Hektar“; die „Aktionsgemeinschaft Umweltschutz Südpfalz“ will erfahren haben, daß es sogar um 75 Hektar gehen soll, mehr als ein Zehntel des Bellheimer Waldes. Bellheims Bedingung für den Verkauf: „Wir wollen ein Stück vom Gewerbesteuerkuchen der Raffinerie.“
  • In Bad Bergzabern soll eine Autobahn das Kur- und Naturparkgebiet des Pfälzer Waldes zerschneiden. 250 Hektar Wald würden unter Beton verschwinden.

In Ober-Olm sind es militärische, in Bellheim wirtschaftliche und in Bergzabern verkehrspolitische „Sachzwänge“. Daß aber gerade der Wald für die Existenz und die Zukunft des Menschen lebenswichtig ist, scheint die Strategen am grünen Tisch wenig zu kümmern.

13 000 Bürger sprachen sich in einer Unterschriftenaktion für die Erhaltung des Ober-Olmer-Waldes aus. Doch um den Wald zu retten, muß anscheinend die Raketenbasis verlegt werden. Das kostet zwischen 25 und 35 Millionen Mark: Ist das die Sache nicht wert?

Daß man zwischen 25 und 75 Hektar Wald abholzen muß, um ein Tanklager zu bauen, kann nur dem einleuchten, der allein in Gewerbesteuersätzen denkt. In Bellheim scheint man zudem das Forstgesetz mißzuverstehen: Der Ertrag des Waldes ist zu mehren, nicht der Ertrag der Gemeinde!