Es ist kein leichtes Geschäft, mit einem Image fertig zu werden, von dem zu befürchten ist, daß es dem Geschäft schadet. So plagt sich der „Spiegel“ mit dem Ruf allzu ausgeprägter Regierungsfreundlichkeit. Deshalb ist es. denn für die Spiegel-Macher ein recht glücklicher Umstand, daß sich in der Bundesregierung ein Finanzminister findet, den sie nicht mögen: Helmut Schmidt. Mehr noch als seine Amtsvorgänger eignet er sich zur Manifestation kritischer Distanz gegenüber der Bundesregierung.

Das Ergebnis liest sich dann so: „Schmidt (gab sich) in der ersten Dollarkrise noch national“ – und das in einem Blatt, das einmal ob seiner sauberen Recherchen angesehen war. Oder; „Der. oberste Heeresleiter außer Diensten versuchte in Paris und in Brüssel zu befehlen, wo er nicht viel zu sagen hat.“ Haben die Spiegel-Korrespondent ten das wirklich beobachtet? Um immer neue Wendungen bemüht, apostrophiert der Spiegel den Finanzminister einmal als „Willy, Brandts glücklosen Spekulanten-Jäger“, dann als „kernigen Hanseaten“ und freut sich schließlich zu früh auf eine „Niederlage des starken Mannes von Bonn“.

Was Helmut Schmidt in den letzten Wochen auch immer tat, der Spiegel nahm es ihm übel. Doch so erfinderisch die Redaktion bei der Formulierung schmückender Beinamen war, so zurückhaltend war sie mit Informationen über die Zahlungsbilanz-Situation der Bundesrepublik und andere Fakten, die dem Leser ein eigenes Urteil ermöglicht hätten.

Und weil der Spiegel dem Finanzminister allzu gern nachweisen wollte, daß er alles falsch gemacht hat, fiel er schließlich dem eigenen Wunschdenken zum Opfer. Die Spiegel-Schlagzeile dieser Woche: „Währung: Europa hört nicht auf Bonn.“ Wer anderen eine Grube gräbt...

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