Die Jungsozialisten vermieden auf ihrem Bundeskongreß am Wochenende in Bonn jeden Anschein einer forcierten Auseinandersetzung mit der SPD. So kommentierte denn auch der SPD-Pressedienst das Treffen mit Wohlwollen; an der Verklammerung der Nachwuchs-Organisation mit der Partei und ihrer Mitarbeit in der SPD könne nicht gezweifelt werden.

Der wiedergewählte Vorsitzende Roth – er erhielt 138 von 207 Stimmen – unterstrich diese Tendenz mit der Erklärung auf dem dreitägigen Treffen, er wolle auf dem SPD-Parteitag in Hannover Mitte April für den Parteivorstand kandidieren. Ein gegen die Kandidatur gerichteter Antrag – der Juso-Vorsitzende dürfe sich nicht zur Wahl stellen, un Loyalitätskonflikte zu vermeiden – wurde auf dem Kongreß abgelehnt.

Roth sprach sich nachdrücklich für die Einheit der Partei aus, setzte aber in der politischen Zielrichtung deutlich unterschiedliche Akzente: „Wir sind Teil einer Partei, deren Mehrheitsbeschlüsse meist daran ausgerichtet sind, Reformpolitik und kapitalistische“ Wirtschaftssystem zu versöhnen, während wir die Strategie antikapitalistischer Strukturreformen für allein tragfähig halten, um die dringendsten Probleme der Menschen zu lösen.“

Die Mehrheit der Jusos will die Systemveränderung auf evolutionärem Weg erreichen. Die radikale „Stamokap“-Gruppe (Stamokap staatsmonopolistischer Kapitalismus) war eindeutig in der Minderheit. Die Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen durchzogen den dreitägigen Kongreß,

Eine außenpolitische Resolution der Jusos forderte die Senkung der Rüstungsausgaben – als Konsequenz der Ostpolitik – und die Einstellung des Devisenausgleichs für die US-Truppen. Unverzüglich ließ die SPD durch ihren Bundesgeschäftsführer Börner mitteilen, daß diese Resolution mit den Zielen und der Politik der SPD nicht übereinstimme.