Nahezu 22 Millionen Bundesbürger – das ist fast jeder dritte – tragen eine Brille. Für die Brillenträger ist dies ein teurer Spaß, denn die Kassen oder Privatversicherungen ersetzen zwar in aller Regel die geschliffenen Gläser, aber bei den Gestellen geizen sie. Und gerade die kosten einiges.

Für eine Brille, die nicht einmal der letzte modische Schrei zu sein braucht, muß der Bürger gut und gerne seine hundert Mark hinblättern. Hier spielten bislang besonders die Kassen nicht mit. Sie gestanden nur die karge und eintönige „kassenübliche Brille“ zu, die 15 Mark wert ist, oder gaben einen Zuschuß in gleicher Höhe.

Das soll nun allerdings in Zukunft etwas besser werden. Die Kassen zeigen sich spendabler. Sie schustern bei einem Brillengestell jetzt bis zu 30 Mark bei.

Obwohl Brillenträger heute längst nicht mehr diskriminiert werden, eine brillentragende Frau nicht unbedingt eine Intellektuelle sein muß und ein brillentragender Mann sogar männlichen Appeal ausstrahlen kann, sind die Kontaktlinsen oder auch Haftschalen auf dem Vormarsch. Heute gibt es in der Bundesrepublik rund eine Million Menschen, die diese unsichtbaren Augengläser tragen. Sie sind immer noch sehr teuer, zwischen 200 bis 300 Mark kostet ein Paar Haftschalen.

Kontaktlinsen sind indes nicht nur von Eitlen begehrt, in vielen Fällen werden sie auch vom Augenarzt verschrieben. Die Kassen haben nun ihre bisherigen Bedenken aufgegeben und ersetzen in Zukunft Haftschalen in voller Höhe.

Der neue sogenannte Indikationskatalog bestimmt, in welchen Fällen erstattet wird. Hierunter fallen zum Beispiel Patienten, die hochgradig kurz- oder weitsichtig sind oder die mit Haftschalen besser sehen können als mit einer Brille. Auch den Angehörigen bestimmter Berufsgruppen bezahlt die Kasse die Kontaktlinsen. So zum Beispiel Sportlern, Technikern oder Schauspielern, die durch eine Brille in ihrer Berufsausübung beeinträchtigt würden.

Denjenigen Versicherten, die die Linsen lediglich aus „kosmetischen Gründen“ wünschen, gewähren die Kassen einen Zuschuß, der dem entspricht, der für eine Brille gewährt würde. Die Privatversicherungen hingegen tragen bis jetzt entsprechend den zumeist älteren Tarifen überwiegend nur die Hälfte der Kosten.

Ronald Granz