Was der Bremer Kaffee-Verein als bedauerlich empfand, kann den Verbraucher nur freuen. Letzte Woche nämlich teilten die deutschen Kaffeeröster und Pulverkaffeehersteller mit, sie würden ihre Preise um drei bis acht Prozent senken. Keine drei Wochen vorher hatten sie ihre Produkte um eben diese Sätze verteuert. Damalige Begründung: Die Preise für Rohkaffee hätten sich im letzten Jahr um rund 50 Prozent an den internationalen Rohstoffmärkten verteuert. Die Abwertung des Dollar, so die Großröster drei Wochen später, hätte zu günstigeren Einkaufsmöglichkeiten geführt.

Der Kaffeehandel zeigte sich ob dieser Argumentation überrascht, denn die Preissenkung laufe der Entwicklung an den Rohstoffmärkten völlig zuwider. In Wirklichkeit ist die unfreiwillige Verbraucherfreundlichkeit dem harten Wettbewerb am deutschen Kaffeemarkt zu verdanken. Letzte Woche nämlich hatte die Bremer Kaffeefirma Jacobs die Preisbindung für seine Röstkaffeeprodukte mit Wirkung vom 19. März aufgehoben und in eine Preisempfehlung umgewandelt. Ein Abrutschen der Preise unter die „Empfehlung“ ist bei vielen Händlern zu erwarten.

Der Bremer Kaffee-Verein konstatierte denn auch ärgerlich, daß „Aufhebung der Preisbindung oder Senkung der Röstkaffeepreise seitens der Hersteller zwei verschiedene Dinge“ seien. Und Behauptungen, die veränderte Währungslage ermögliche eine Preissenkung, seien „daher unzutreffend und irreführend“.

Der harte Wettbewerb am deutschen Kaffeemarkt hat die Verbraucher seit über zwei Jahren vor Preiserhöhungen bewahrt. 1971 gab es sogar Verbilligungen zwischen fünf und acht Prozent. Der Grund: Der Kaffeeverbrauch – im Jahr rund 5000 Gramm pro Kopf – stagniert. Und auch die Marktanteile der großen Firmen ändern sich nur noch geringfügig. Die fünf größten Kaffeefirmen teilen rund 65 Prozent des gesamten Kaffeeumsatzes unter sich auf. Marktführer unter den Röstkaffecanbietern sind Jacobs und die Hamburger Firma Tchibo mit jeweils 20 Prozent Anteil. Es folgen mit etwa je zwölf Prozent Eduscho und die Hag-Gruppe.

Zudem haben sich die Bohnenanbieter eines Konkurrenzprodukts zu erwehren, das seit den sechziger Jahren die Branche in Bewegung hält: des Instantkaffees. Der lösliche Kaffee hatte Zuwachsraten von 20 bis 30 Prozent zu verbuchen. Heute wird bereits jede vierte Tasse Kaffee aus Pulver- oder gefriergetrocknetem Kaffee bereitet.

So nimmt es nicht wunder, wenn auf Preisänderungen eines der Großanbieter die übrigen schnell folgen – um nichts von ihren hart umworbenen Marktanteilen einbüßen zu müssen. gf