Den Münchner Baufirmen wird vorgeworfen, die Wohnungen zu Wucherpreisen anzubieten

Noch vor wenigen Monaten wurden sie mit Lob überschüttet, heute werfen ihnen viele blanken Wucher vor. Den plötzlichen Sympathieverlust erlitten fünf Bauträger-Gesellschaften, die gemeinsam das olympische Dorf mit insgesamt 3400 Wohnungen in München errichtet haben und die Athletenunterkünfte jetzt – nach verbreiteter Meinung zu überhöhten Preisen – als Eigentumswohnungen verkaufen. Die Baufirmen weisen die Wucherkritik entschieden zurück. Jürgen Friker, Geschäftsführer der Deba – Deutsche Bauträger GmbH & Co KG: „Man bekommt hier zu einem Preis eine Wohnung, wie sie in ganz Zentral-München nicht mehr aufzutreiben ist.“

Die Anbieter müssen jedoch einräumen, daß sich die Interessenten um die originellen Dorfobjekte alles andere als reißen. Der Verkauf ist eher schleppend. Deba-Friker schätzt immerhin, daß es ein Jahr dauern werde, bis das ganze Dorf verkauft sein wird. Sein Konkurrent Max Schlereth, Chef der Deutschen Realbesitz & Co. AG (Derag), rechnet nur mit sechs Monaten. In rund drei Wochen brachte seine Firmentochter Wohnbau Südost 28 Objekte an den Mann; 550 Wohnungen sind noch zu haben.

Der Vorwurf, ihre Wohnungen zu „Wucherpreisen“ anzubieten, trifft die Bauträgerfirmen jedoch kaum. 176 000 Mark für eine 96 qm große Terrassenwohnung oder 228 000 Mark für ein 144 qm großes Reihenhaus sind absolut marktgerechte Preise. Wenn dennoch viele Kauflustige zögern, so vor allem deshalb, weil die ganze Anlage mit ihren eckigen Betonbergen nicht so recht zu ihren Vorstellungen von einem First-class-Wohnstil paßt. Die fertige Innenausstattung bietet überdies kaum noch Möglichkeiten für individuelle Wünsche, läßt aber manches zu wünschen übrig.

Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Quadratmeter liegt bei knapp 1900 Mark. Bei der Vergabe des Dorfes hatte der bayerische Staat, der den größten Teil des Grundstücks preisgünstig zur Verfügung stellte, seinerzeit zwar die Auflage gemacht, daß der Quadratmeter Wohnfläche nicht teurer als für 1247 Mark verkauft werden dürfe. Allerdings gestand er den Bauherren das Recht zu, die Hälfte der bis zur Fertigstellung anfallenden Lohnsteigerungen aufzuschlagen.

Durch die hohen Lohnkostensteigerungen im Bauhauptgewerbe – bis Ende 1972 waren es 103 Prozent – werden die Bauherren laut Friker nur zwischen zwei und vier Prozent Gewinn verbuchen können. Auch Max Schlereth hat sich damit abgefunden, daß „fünf Prozent Gewinn bei weitem nicht drin sind“.

Ob die Preise wirklich angemessen sind, wird jedoch erst das bayerische Finanzministerium entscheiden. Friker hat zwar bereits damit gedroht, notfalls mit dem Staat einen Prozeß zu führen, um aus dem Riesenprojekt noch einen Gewinn herauszuschlagen. Aber es spricht vieles dafür, daß man sich einigen wird.