Der Spiegel witterte einen Knüller: Die Hamburger Charterfluggesellschaft Aviaction sei in der vergangenen Woche an den Dänen Eilif Krogager verkauft worden. Freilich, das Nachrichtenmagazin aus Hamburg bezog sich in der Meldung auf Branchengerüchte.

In der Tat, an der Gerüchtebörse wird der Verkauf der Ferienfluggesellschaft Aviaction schon seit einigen Wochen gehandelt. Seit ihrer Gründung vor nunmehr vier Jahren hat die Gesellschaft schon einige Male unter akuter Kapitalnot gelitten. Und nachdem sich auch eine anonyme Gruppe deutscher Kapitalanleger aus. dem Raum Münster zurückziehen mußte – statt der zugesagten 9,5 Millionen Mark Finanzspritze überwies sie über ihren Mittelsmann nur drei Millionen –, wartet die Konkurrenz darauf, daß sich in Hamburg etwas tut.

Auf dem Hamburger Flughafen, wo Aviaction ihr Bürounterhält, tat sich dann auch wirklich was. Freilich etwas völlig Unerwartetes: Aviaction schmiedete Pläne, ihre Jet-Flotte (derzeit sind drei Fokker F-28 im Einsatz) zu vergrößern. Noch vor fünf Wochen meinte Kurt Ahuis, Geschäftsführer der Aviaction, dazu: „Wir wollen bereit sein, wenn Hapag-Lloyd seine Flugpläne nicht rechtzeitig realisieren kann.“ Zu diesem Zweck wollte Aviaction eine Caravelle kaufen. Verkäufer sollte die dänische Sterling Airways sein, die dem Tjaereborg-Rejser-Veranstalter Eilif Krogager gehört, einem ehemaligen Pastor.

Inzwischen hat man in Hamburg wieder die Pläne geändert. Nunmehr, so Ahuis, verhandele man mit Sterling über den Ankauf von zwei Caravelle-Jets. Eine soll im Oktober die andere im Mai 1974 geliefert werder.

Ganz so einfach, wie der Spiegel die Sache geschildert hat, wäre ein Arrangement zwischen Aviaction und Eilif Krogager auch gar nicht zu bewerkstelligen gewesen. Nach dem Luftverkehrsgesetz darf ein deutsches Luftfahrtunternehmen nicht in ausländischen Besitz übergehen. Freilich, eine Kapitalbeteiligung bis zu einem Anteil von 49 Prozent wäre einem Ausländer möglich.

Der Hintergrund für die Gerüchte um Aviaction hat sich damit allerdings nicht verändert. Die deutschen Touristikveranstalter rechnen weiter damit, daß im kommenden Jahr Krogager ernst macht mit seinem Plan, Tjaereborg-Reisen in Deutschland zu verkaufen.

Die unerwarteten Expansionspläne – das Kapital für die beiden Caravelles soll von Alt-Kommanditisten aufgebracht werden – haben Aviaction ins Gerede gebracht. Die Gerüchte werden nicht verstummen, solange nicht offengelegt wird, von wem das Geld für die neuen Flugzeuge stammt. Heute jedenfalls, so Kurt Ahuis, wird bei Aviaction „noch nicht dänisch gesprochen“. kde.