„Junge Amerikaner“ aus dem Reich

Von Helmut Hirsch

Joachim Radkau: „Die deutsche Emigration in den USA – Ihr Einfluß auf die amerikanische Europapolitik 1933–1945“ (Studien zur modernen Geschichte, Bd. 2); Bertelsmann Universitätsverlag, Düsseldorf 1971; 378 S., 38,– DM.

„Aufbau – Reconstruction: Dokumente einer Kultur im Exil“; hrsg. von Will Schaber; The Overlook Press, New York, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1972; 413 S., 28,– DM.

Diese beiden Bücher sind Pionierleistungen auf einem Gebiet, das erst seit einigen Jahren ernsthaft erschlossen wird. Um nur zwei ausländische Mittelpunkte zu nennen: Ende 1969 hat die Stockholmer Koordinationsstelle zur Erforschung der deutschsprachigen Exil-Literatur (am Deutschen Institut der dortigen Universität) ihre Arbeit aufgenommen. Wichtigstes bisheriges Einzelergebnis ist eine auf Schweden konzentrierte Studie: Helmut Müssener: „Die deutschsprachige Emigration in Schweden nach 1933. Ihre Geschichte und kulturelle Leistung“; Tyska Institutionen Stockholms Universitet, Stockholm 1971; (masch.), 794 S. (vergr., Neuausg. geplant). In der Reihe Stockholmer Germanistische Forschungen ist soeben erschienen: Gisela Berglund: „Deutsche Opposition gegen Hitler in Presse und Roman des Exils. Eine Darstellung und ein Vergleich mit der historischen Wirklichkeit“; Almqvist & Wiksell, Stockholm 1972; 411 S., Schw. Kr. 60,–

Ein vergleichbares Koordinationszentrum hat die amerikanische Staatsuniversität in Albany, N. Y., geschaffen. Dort werden zur Zeit von den Germanisten John Spalek und Joseph Strelka zwei Untersuchungen vorbereitet („Die deutsche Exilliteratur seit 1933 in Kalifornien“, „Die deutsche Literatur seit 1933 im Osten der Vereinigten Staaten“).

Unter den Exilologen der Bundesrepublik hat sich jüngst eine Forschergruppe hervorgetan, die den Stoff theoretisch durchdrungen hat: Reinhold Grimm und Jost Hermand: „Exil und innere Emigration, I“; Athenäum Verlag, Frankfurt 1972; 210 S., 28,– DM. Band zwei, herausgegeben von Egon Schwarz und Peter Uwe Hohendahl, wird demnächst ausgeliefert. Auch die zwei ersten einer auf neun Bände angelegten bundesdeutschen Literaturgeschichte der Emigration („Deutsche Exilliteratur“) ist jüngst aus der Presse gekommen: Hans-Albert Walter: „Bedrohung und Verfolgung bis 1933“, Bd. I.; „Asylpraxis und Lebensbedingungen in Europa“, Bd. II; Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied 1972; (s. Rezension von Jean Améry. ZEIT Nr. 5/73).