Mit den Arabern ist derzeit nicht gut Kirschen essen. Nachdem unsere Behörden seit dem Anschlag des „Schwarzen September“ in München gegen die israelische Olympia-Mannschaft in oft eigenwilliger und unfairer Weise die Einreise arabischer Besucher in die Bundesrepublik reglementieren, üben die Araber Revanche. Den Vogel auf diesem Feld der bilateralen Beziehungen aber schoß Libyens exzentrischer Präsident Ghaddafi ab: Er bestimmt einfach, daß Sichtvermerke künftig nur noch in Pässe eingetragen werden, die in arabischer Schrift ausgestellt sind. Zumindest die vorgedruckten Bezeichnungen, also Name, Anschrift, Beruf, müssen arabisch sein; ob das auch für die handgeschriebenen Eintragungen gilt, ist noch ungewiß.

Ghaddafis listige Paßvorschriften – einmalig bislang in der internationalen Praxis – bezwecken zweierlei: Einmal eine Besuchssperre; denn wo gibt es Pässe in Arabisch? Sodann den krampfhaften Versuch, Arabisch als Weltsprache durchzusetzen.

Die Folge ist, daß bereits sämtliche Staaten des Westens das libysche Ansinnen energisch zurückgewiesen haben. Die Regierungen der Ostblockstaaten, die von Ghaddafis Paßextratouren ebenso betroffen sind, haben noch keinen Einspruch angemeldet. Die Folge ist zudem, daß zum Beispiel ein Deutscher in Kairo, der in die libysche Hauptstadt Tripolis will, sein Visum nur in der für ihn zuständigen libyschen Botschaft in Bonn erhält, und nur bei persönlicher Vorstellung. Beisen nach Libyen sind künftig also vor allem mit Umwegen, Unkosten und Unannehmlichkeiten verbunden: Wer kann schon Arabisch schreiben!

Damit Libyen freilich seine List mit den Pissen nicht allzu teuer zu stehen kommt – schließlich lebt es allein vom Export –, wurden Ausnahmen von der Sprachregel erlaubt: Gäste der Regierung, Besatzungen von Flugzeugen und Schiffen, Techniker ausländischer, in Libyen ansässiger Firmen, Entwicklungsberater, Messedelegationen, Unterhändler internationaler Industrien sowie die Familienangehörigen dürfen mit ihren alten Ausweisen einreisen. Natürlich haben es auch die akkreditierten Diplomaten besser. Sie dürfen in Deutsch, Französisch, Englisch oder in Suaheli ins gelobte Land der Libyer.

Touristen aber? Auf sie legt der Oberst Ghaddafi scheint’s ohnehin keinen Wert. Aus der Bundesrepublik machen im Durchschnitt sowieso nur ein paar hundert Urlauber pro Jahr Ferien in Libyen, meist um die antiken Reste aus der Römerzeit zu besichtigen. Erdöl ist Ghaddafis unerschöpfliche Geldquelle. Und davon allein können er und seine Libyer länger als zwanzig Jahre leben. Unter dem Wüstensand lagern noch über vier Milliarden Tonnen.

Im übrigen: Wer mit dem schwarzen God Libyens beruflich zu tun hat, darf auch in Zukunft in seiner Heimatpaßsprache Ghaddafis Reich betreten, Frau und Kind inklusive. D. St.