Vor einhundert Jahren, am 19. März 1873, wurde Max Reger geboren. Seine Musik galt noch vor wenigen Jahren sowohl bei den Avantgardisten der Moderne als auch denen des neobarocken Purismus so gut wie nichts – den einen war die spätromantisch verklausulierte Harmonik suspekt wie kaum etwas sonst, den anderen galt die auf raffinierte orchestrale Färbungen ausgerichtete Orgelmusik als Degeneration und Entfremdung eines ehemals hochkultivierten Instruments. Zu seinem 100. Geburtstag wurden ein paar für den Musikbetrieb Verantwortliche ein paar Minuten lang seiner gedenk, dies und das wird aufgeführt, hier und da hält ein Wissenschaftler Vorträge, Bonn feiert ihn sogar eine Woche lang, und das dortige Max-Reger-Institut gibt einen Band mit Briefen heraus. Auch die Schallplattenindustrie entsann sich, daß da noch ein paar Marktlücken zu füllen sind.

Wenn SieReger-SchallpIatten kaufen, dann – Unbedingt:

Max Reger: „21 Lieder“; Dietrich Fischer-Dieskau, Günther Weißenborn (Klavier); Deutsche Grammophon Gesellschaft 139 127, 25,– DM

Die Nuancen dieser farbigen und feinfühligen Musik in einer vokalen Linie vorzuführen, dürfte mit zum Schwierigsten der Gattung Lied gehören. Hier sind nicht so sehr Stimmungen nachzuvollziehen als – gelegentlich sogar ohne Bezug auf die Texte – Klangfarben, Artikulationen, stimmliche Grundierungen zu realisieren. Fischer-Dieskau verzichtet klug auf Dramatisierung und exponiert sich auf der klanglichen Seite – mit Bravour und technischer Meisterschaft.

Max Reger: „Fantasie und Fuge über B-A-C-H/Introduction und Passacaglia d-moll/Fantasie und Fuge d-moll/Benedictus aus der ,Orgelmesse’“; Ivan Sokol (Orgel); Supraphon 86 310 KK, 21,– DM

Der Slovake Sokol spielt, sowohl was die Farbigkeit seiner Dispositionen wie die manuelle Fertigkeit betrifft, so ziemlich alles an die Wand, was sich im Westen um Regers Orgelmusik bemüht. Vor allem wird bei ihm in der klanglichen Geste eine gewisse Mühelosigkeit deutlich – während bei vielen der hiesigen Interpreten eine beachtliche Verkrampfung und ein puritanischer Ernst herauszuhören sind. Zudem hat Sokols Instrument (Prager Kirche der hll. Cyrillus und Methodius) ein unwahrscheinlich vielfältiges Klangfarbenrepertoire.

Nach Möglichkeit: