Gegen Ende dieses Jahres werden vielerorts in den USA Drogensüchtige in Kliniken unter kontrollierten Bedingungen eine bislang noch kaum am Menschen erprobte Gruppe von Arzneimitteln erhalten, Narcotica-Antagonisten. Diese Experimente sollen dann innerhalb von zwei Jahren klarstellen, ob solche Medikamente geeignet sind, Frauen und Männern, die dem Heroin verfallen sind, zu helfen, ihre Sucht loszuwerden.

Theoretisch sind die Aussichten auf Erfolg gut. Narcotica-Antagonisten der einen oder anderen Art sind in klinischen Versuchen schon seit 1968 mit vielversprechendem Ergebnis getestet worden. Aber bislang blieben einige Probleme noch ungelöst. Die Wirkung der Präparate hält nicht lange genug vor, als daß man sie unter normalen Bedingungen allgemein anwenden könnte. Zudem haben einige dieser Mittel unerwünschte Nebenwirkungen.

Ein Narcotica-Antagonist ist eine chemische Substanz, deren Moleküle denen eines Opiates sehr ähnlich sind, die jedoch die angestrebte Heroinwirkung verhütet. Der Süchtige wird nicht „high“. Mithin, so hoffen die Forscher, wird dem „Fixer“ allmählich die Lust am Spritzen vergehen. Voraussetzung allerdings ist, daß er überhaupt Willens ist, seine Sucht zu bekämpfen, Denn die antagonistisch wirkenden Chemikalien sind, was die damit beschäftigten Wissenschaftler immer wieder betonen, keine Medizin gegen die Sucht. Sobald der Patient aufhört, das Mittel regelmäßig zu nehmen, haben die Heroinspritzen wieder ihren alten Rauscheffekt.

Die Hoffnung auf Hilfe basiert also nur auf der Möglichkeit, daß der Rauschgiftsüchtige sein; Sucht im Laufe der Zeit „verlernt“, weil ihm die angenehm empfundene Belohnung für die nicht so angenehme Einspritzung versagt bleibt,

Ein aussichtsreicher Kandidat unter den Antagonisten scheint EN-1639 A zu sein – chemischer Name: N-cyclopropylmethylnoroxymophon –, ein Stoff der am National Institute of Mental Health in Lexington (US-Staat Virginia) an Tieren und in ersten Experimenten auch an 30 bis 35 Menschen erprobt worden ist. Seine Wirkung hält 24 Stunden vor, und er kann als Tablette geschluckt werden. Soweit bis jetzt Erfahrungen vorliegen, sind schädliche Nebenwirkungen nicht zu befürchten.

An der Wirksamkeit der Substanz besteht kein Zweifel. Kurzzeitig effektive Narcotica-Antagonisten werden schon seit 1950 in Einzelfällen angewandt, um Opfern von Opiat-Überdosierungen zu helfen.

Das Hauptziel der Forschung auf diesem Gebiet ist es, solche chemischen Substanzen zu finden, deren antagonistische Wirkung eine oder gar mehrere Wochen lang anhält. Denn je länger der Rausch nach der Spritze verhindert werden kann, desto wahrscheinlicher ist es, daß sich der Patient das Heroin abgewöhnt. V. G.