Der Präsident will die 40 Jahre alte Subventionspolitik beenden

Was bislang kein amerikanischer Präsident wagte, riskiert jetzt Richard Nixon: Er legte sich mit der mächtigen Landwirtschaftslobby im US-Kongreß an. In diesen Machtkampf geriet der Präsident allerdings nicht ganz freiwillig. In der Phase III seines Anti-Inflations-Programmes, in der staatliche Kontrollen von Löhnen und Preisen durch freiwillige Selbstkontrolle abgelöst wurde, schnellten vor allem die Lebensmittelpreise zu neuen Rekorden in die Höhe. Der Unwille der Verbraucher wurde laut.

In seiner „Botschaft über die Lage der Nation“ verkündete Nixon Ende Februar seine neue Landwirtschaftspolitik, die allerdings den Unwillen von Farmern und Ranchern weckte. Der US-Präsident, der sich allerdings keiner Wiederwahl stellen muß und somit Unpopularität in Kauf nehmen kann, möchte mit einer Politik Schluß machen, die den Bauern seit 40 Jahren sicheres Einkommen und Schutz vor großem Risiko beschert hatte.

Trotz abnehmender Beschäftigtenzahlen in der Landwirtschaft waren die Ernten dank intensiver Bodennutzung ständig gestiegen. Die Ernteerträge, die den Verbrauch im Inland bei weitem überstiegen, ließen die Preise oft so tief sinken, daß viele Bauern aufgeben mußten. Die Lösung dieses Überschußproblems fand die US-Regierung vor 40 Jahren: Den Landwirten wurde eine Subvention dafür gezahlt, daß sie landwirtschaftliche Böden nicht für den Anbau nutzten. Dadurch sollte ungefähr ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage erreicht und den Landwirten zudem ein angemessenes Einkommen garantiert werden.

Dieser Plan freilich, so das US-Magazin Time, entwickelte sich seither zu „einer Art Monster“, Letztes Jahr mußte die Regierung ungefähr vier Milliarden Dollar an landwirtschaftlichen Subventionen zahlen. Viele US-Bauern verließen sich auf die Einkommensaufbesserung aus Washington – auch wenn sie es nicht nötig hatten.

Doch nicht nur die bäuerlichen Einkommen erreichten letztes Jahr einen neuen Rekordstand, auch die Preise, vor allem für Fleisch und Getreide, kletterten kräftig. Rekorde gab es auch bei den Preisen für Bauernland – sie stiegen um zehn Prozent. Die höchste Jahresrate, so U.S. New & World Report, seit 1951. Die Gründe für diesen Boom: Angesichts der hohen Preise für landwirtschaftliche Produkte dehnten viele Bauern ihre Anbauflächen aus und, angelockt durch die hohen Einkommen, entdeckten viele neue Siedler das lukrative Landleben.

Mit den überbordenden Preisen soll es nach dem Willen des US-Präsidenten nun ein Ende haben. In seiner „Botschaft“ verkündete Nixon die neue Marschrichtung. „Wir müssen die Abhängigkeit der Landwirte von Regierungszahlungen vermindern durch höhere Einkünfte aus den Verkäufen landwirtschaftlicher Produkte im Inland und Ausland.“ Dafür sollen, wie Landwirtschaftsminister Earl Butz ergänzte, nach und nach wieder Reserveflächen in die Produktion einbezogen werden. Um die Preissteigerungen möglichst bald zu dämpfen, wurden bereits Anfang Januar vom Staat aufgekaufte und eingelagerte Weizen- und Mais Vorräte freigegeben.