Radfahren fing einmal an, wieder Mode zu werden. Wo jedoch im Zusammenhang mit Urlaubsreisen vom Radfahren die Rede ist, gerät der Fürsprecher leicht in die Rolle eines Naturapostels. Warum eigentlich?

PRO:

1. Von allen Verkehrsmitteln ist das Fahrrad zweifellos das billigste.

2. Radfahren ist gesund.

3. Das Tempo des Radfahrers bewegt sich noch innerhalb natürlicher Grenzen (wie sie zum Beispiel durch einen guten Läufer gesetzt werden).

4. Der Radfahrer sieht noch etwas von der Strecke, die er fährt.

5. Der Radfahrer kennt weder Fahrplan- noch Parkprobleme.

6. Ein Fahrrad zu reparieren, kann auch der technisch Unbegabteste noch lernen.

CONTRA:

1. Der Radfahrer ist jedem Wetter so gut wie schutzlos ausgesetzt.

2. Der Radfahrer ist auch so gut wie schutzlos gegenüber dem motorisierten Straßenverkehr.

3. Mehr als sechzig Kilometer am Tag kann sich ein ungeübter Radfahrer nicht zumuten. Für lange Strecken braucht man also mit dem Fahrrad viel Zeit.

4. Im Gebirge ist Radfahren höchst anstrengend bis unmöglich.

5. Jedes Kilo Gepäck muß der Radfahrer selber fortstrampeln.

6. Der Radfahrer wird weder im Verkehr noch in den Rast- und Gaststätten für voll genommen.

7. Zweisamkeit – Sehnsucht und Geheimnis so vieler Urlaubsreisen – pflegt sich schlecht auf einem Fahrrad.

CONCLUSIO:

Eigentlich sind es doch alles ziemlich traurige Gründe, die gegen die Urlaubsreise mit dem Fahrrad sprechen. Wir verzichten darauf: weil wir keine Zeit mehr haben oder das Urlaubserlebnis nur in weiter Ferne finden zu können glauben; weil uns die Autos wo nicht gleich mit ihren Kotflügeln, so doch dauernd mit ihren Auspuffgasen bedrohen; weil der Portier des Grand-Hotels einer Ohnmacht nahekäme, wenn ein Gast mit dem Fahrrad vorführe. Sind wir – wenigstens diejenigen von uns, deren Kräfte durchaus noch reichen zur Fortbewegung eines Fahrrads und die sich auch vor einem Regenguß nicht fürchten – vielleicht ganz schön blöd? Nun ja: manche von uns schließen einen gar nicht so blöden Kompromiß und nehmen ein zusammenklappbares Fahrrad im Kofferraum ihrer Limousine mit. Rudolf Walter Leonhardt