Nach dem Floaten der Sechs sind die Aussichten besser als zuvor

Von Rudolf Herlt

Nach den Beschlüssen des Brüsseler Ministerrats wollen die Menschen hierzulande dreierlei wissen: Wann kommt die nächste Währungskrise? Hat nicht Europa eine Niederlage erlitten? Und schließlich: Nehmen wir nicht endgültig von der guten alten Währungsordnung Abschied, ohne schon die neue zu kennen?

Daß die Bürger nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre die bange Frage stellen, wie lange die Ruhe an der Währungsfront diesmal dauern werde, kann ihnen niemand übelnehmen. Sie haben erlebt, daß die Abstände zwischen den Krisen immer kürzer werden. Jedesmal wurde die Heilkraft der verabreichten Medikamente hoch gepriesen. Dennoch wurde der Patient Währung immer anfälliger.

Achteinhalb Jahre lang, von März 1961 bis Oktober 1969, kostete der Dollar vier Mark. Nach der Aufwertung vom Herbst 1969 kostete er nur noch 3,66 Mark. Das hielt immerhin noch zwei Jahre. Dann wurden im Dezember 1971 die Werte der wichtigsten Währungen einschließlich des Dollars neu geordnet. Seither waren nur noch 3,22 Mark nötig, um einen Dollar zu kaufen. Dieser Kurs galt ganze 13 Monate. Seit der US-Abwertung am 12. Februar dieses Jahres war ein Dollar bereits für 2,90 Mark zu haben. Schon nach siebzehn Tagen schlug seine letzte Stunde: Unter dem Druck von Dollarwellen bisher unbekannten Ausmaßes wurden die Devisenbörsen geschlossen.

Im Schutz der geschlossenen Märkte reifte in einer Kette von Konferenzen die Lösung heran, die in den Morgenstunden des Montags dieser Woche in Brüssel verkündet wurde. So, wie man sechs Schnüre zu einem Seil zusammenwindet, haben sechs Mitgliedsländer der Europäischen Gemeinschaft ihre Währungen durch feste Kurse aneinandergebunden; gemeinsam sind ihre Kurse gegenüber dem Dollar jedoch beweglich.

Eine tragbare dreiprozentige Aufwertung der Mark war der Preis für die Teilnahme der Franzosen. Die übrigen drei Gemeinschaftsländer – Italien, England und Irland – schlossen sich diesem Gruppen-Floaten nicht an. Dagegen gelten Österreich, das seinen Schilling ebenfalls aufwerten wird, Schweden und Norwegen als mögliche