Von Warren Burkett

Es sieht so aus, als würden auf den Straßen der Vereinigten Staaten in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts nur noch Automobile verkehren, die von Maschinen japanischen Ursprungs angetrieben werden. Das jedenfalls läßt ein Gutachten vermuten, das die Nationale, Akademie der Wissenschaften in den USA jetzt veröffentlicht hat.

Am 1. Januar 1975 sollen die überaus strengen und ein Jahr später die noch strengeren Gesetze in Kraft treten, die nur noch nahezu abgasfreie Fahrzeuge auf den Straßen der Neuen Welt dulden. An Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffen dürfen Autos von 1975 an nur noch zehn Prozent der Mengen abgeben, die die Modelle von 1970 emittieren, und im Jahr darauf werden dazu noch starke Einschränkungen für zulässige Stickstoffoxide in den Autoabgasen verlangt. Diese Forderungen erklärten unlängst noch die amerikanischen Autoproduzenten für technisch unerfüllbar. Doch inzwischen hat der japanische Motorrad- und Sportwagenhersteller Honda einen Benzinmotor entwickelt, der jetzt schon den neuen Bestimmungen vollauf genügt.

Mehr noch: Die Nationale Akademie der Wissenschaften, deren Sonderkommission für Autoabgase offiziell von der Umweltschutzbehörde mit der Prüfung von Automotoren beauftragt ist, hat zudem bekanntgegeben, die Honda-Maschine sei nicht nur weniger luftverschmutzend, sondern auch zuverlässiger, leistungsfähiger und billiger als alle anderen von den drei Autogiganten Ford, General Motors und American Motors vorgeführten Systeme. Außerdem könne die Massenproduktion des Honda-Motors in den USA spätestens 1976 verwirklicht werden, also fast termingerecht. Eine Verschiebung der vom Gesetz vorgesehenen Termine um ein Jahr würde mithin deren Erfüllung möglich machen;

Dieses unmißverständliche Eintreten der Kommission für einen ausländischen Konkurrenten der eigenen Industrie hat in Detroit schockierend gewirkt. Die Verwirrung ist groß, zumal Honda mit seiner Lösung für das amerikanische Straßen-Umweltproblem einen Weg beschritten hat, der zwar nahelag, wie man heute in der Industrie unumwunden zugibt, aber von keinem US-Automobilwerk eingeschlagen worden ist.

Der Trick, mit dem Honda Detroit aus dem Felde schlug, ist Rennwagenkonstrukteuren lange bekannt: Der Doppelvergaser. Er bewirkt eine solche Verteilung der Benzinkonzentration im Verbrennungsraum des Zylinders, die eine fast vollständige Verbrennung des Gases gewährleistet.

Hierzu wurde der Zylinderkopf des Honda-Standardmotors gegen eine Konstruktion ausgetauscht, bei der die Zündkerzen von einer Vorzündungskammer umgeben sind. Mit der Kammer ist der eine Vergaser verbunden; der zweite Vergaser versorgt den oberen Zylinderteil in herkömmlicher Weise mit Gas.