Von Hermann Bößenecker

Eine bittere Erfahrung bestätigte den leitenden Regierungsdirektor Hans-Wolfgang Schnack, 53, in seiner Auffassung: „Die Bedingungen, unter denen man in der Bundesrepublik Bankier werden kann, müßten außerordentlich verschärft werden.“ Der hohe Beamte, der im Berliner Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen für die Überwachung der privaten Banken zuständig ist, mußte am vergangenen Freitagabend die Schließung eines weiteren Münchner Geldinstituts verfügen: der Bayerischen Wirtschaftsbank AG, die bis zum vergangenen Jahr eng mit dem bereits im August 1972 vom Berliner Amt liquidierten Bankhaus Bansa KG verflochten war.

Bis zur letzten Minute hatte Schnack versucht zu retten, was nicht mehr zu retten war. Eine Sonderprüfung hatte den Verdacht erhärtet, daß bei der Bayerischen Wirtschaftsbank die Gelder der Anleger in akuter Gefahr waren. Zugleich wurde das mit ihr verschwisterte frühere Hamburger Bankgeschäft Wilhelm Findorff & Co. KG, das in München kaum bekannt geworden war, dichtgemacht.

Der Bankenüberwacher wird sich indes kaum dem Vorwurf ausgesetzt sehen, er habe zu voreilig gehandelt. Im Gegenteil könnte er eher erneut Kritik dafür ernten, daß er zu lange gewartet hat. Im Fall der Münchner Bansa-Bank zumindest gab es mancherlei Kopfschütteln in Bankierskreisen. Dabei geriet auch Schnack persönlich in ein schiefes Licht. Münchner Beobachter aus dem etablierten Bankgewerbe kreiden ihm an, daß er im Sommer letzten Jahres eine Rettungsaktion für Bansa mit Hilfe eines Mannes einleitete, mit dem er angeblich „gut befreundet“ ist, der aber – auch nach dem Eingeständnis Schnacks – nicht das beste Ansehen genießt.

Schnack soll nach den Recherchen seiner Aufpasser recht oft die Gastfreundschaft dieses Mannes genossen haben: des persönlich haftenden Gesellschafters des Bankhauses Otto Dierks & Co. KG am Münchner Marienplatz, Viktor Rittler. Der 52jährige gebürtige Budapester mit der massigen Gestalt hat eine wechselvolle Laufbahn als ungarischer Leutnant, Sägewerksbesitzer in Kanada, Gastwirt, Kinopächter und Einzelhändler hinter sich. 1959 war er ins Bankfach eingestiegen. 1961 wurde der Sitz von Dierks & Co. von Hamburg nach München verlegt, und zwei Jahre später wurde Rittler dort Komplementär. Schnack: „Von uns hat er die Zulassung nicht bekommen.“ Damals war die Bankenaufsicht noch Ländersache.

Der Bayerische Bankenverband weigert sich bis zur Stunde, Dierks & Co. als Mitglied aufzunehmen. Denn Komplementär Rittler will sich nicht dem Prüfungsverband deutscher Banken e. V. anschließen, der wieder die Beteiligung am freiwilligen „Feuerwehrfonds“ eröffnet. Im Falle einer Bankpleite soll er die kleinen Sparer voll schadensfrei halten. Auch Bansa und Bayerische Wirtschaftsbank gehörten weder dem Bankennoch dem Prüfungsverband an; die Wirtschaftsbank wurde im April 1971 aus dem Bankenverband ausgeschlossen, da sie sich – damals unter dem Einfluß Rittlers – nicht dem Prüfverfahren unterwerfen wollte.

Rittler hatte sich im Herbst 1969 mit 66 Prozent bei der Bayerischen Wirtschaftsbank eingekauft, bei der die Großaktionäre seit Jahren so rasch wechselten, daß die Besitzverhältnisse nie ganz klar waren. Nach seinen eigenen Angaben zahlte er dafür 130 Prozent, das waren bei fünf Millionen Mark Aktienkapital rund 4,3 Millionen Mark. 19 Monate später, am 30. Juli 1971, gab er davon 51 Prozent an den Bansa-Komplementär Franz Xaver Ortner ab (der dann bis Sommer 1972 auch im Vorstand der Wirtschaftsbank saß) – zu 300 Prozent. Rittler heute: „Wenn ich ein gutes Geschäft machen kann, warum soll ich nicht?“