Sechs Länder der Europäischen Gemeinschaft haben sich darauf geeinigt, ihre Währungen gegenüber dem Dollar floaten zu lassen, also die Wechselkurse freizugeben. Die D-Mark wird außerdem um drei Prozent aufgewertet.

Auf diese „halbe“ Gemeinschaftslösung einigten sich die Finanzminister nach neunstündigen Beratungen in der Nacht zum Montag in Brüssel. Es war die dritte Konferenz innerhalb weniger Tage mit dem Ziel, einen Ausweg aus der Dollarkrise zu finden.

Die sechs Länder Bundesrepublik, Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg und Dänemark erreichen durch die Wechselkursfreigabe, daß der Dollar nicht mehr am unteren Interventionspunkt (zu den deutschen Devisenbörsen bisher 2,8350 D-Mark) durch Aufkäufe gestützt werden muß. Dadurch wird die Spekulation wirksam bekämpft.

Untereinander werden die sechs Länder die Wechselkurse ihrer Währungen im Rahmen einer Schwankungsmarge von 2,25 Prozent stabil halten. Die anderen drei Staaten der Gemeinschaft – Großbritannien, Irland und Italien – wollen auch nach der Wiedereröffnung der Devisenbörsen am 19. März ihr isoliertes Floating beibehalten. Weder das Pfund noch die Lira können wegen ihre derzeitigen Schwäche eine feste Relatioi zu den anderen Gemeinschaftswährungei riskieren.

Die drei Staaten hätten sich nur bei außerordentlicher Stützungsbereitschaf der Partner zu europäischer Gemeinsam keit bereitgefunden. Dazu sah sich aber insbesondere die Bundesrepublik nicht in der Lage.

Die deutsche Aufwertung war ein Konzession an die übrigen fünf, mit de ein deutscher Alleingang vermieden wurde. Obwohl besonders die Reedereien die Kohleindustrie und der Autoexport von der neuesten Entwicklung betreffe werden, sprach Bundesfinanzministe Schmidt von einer „optimalen Lösung“ Bundeswirtschaftsminister Friderich glaubt, daß die Beschlüsse konjunkturell zu verkraften seien; stabilitätspolitisch seien sie sogar erwünscht.

Schmidt fügte hinzu, daß die beteiligten Länder auf der nächsten Sitzung de Zehnerklubs (das sind die größten Indu striestaaten) am Freitag „einige kooperative Maßnahmen“ von Seiten Wa shingtons erwarten. Die Brüsseler Beschlüsse bedeuten nach seinen Worten da Ende des Weltwährungssystems von Bretton Woods.