In dieser Woche hat der Rentenmarkt seine bisher größte Belastungsprobe zu überstehen. Unterzubringen ist die erste Tranche der sogenannten Stabilitätsanleihe (an der Börse auch „Inflationsanleihe“ genannt) über der Milliarden Mark. Ursprünglich war geplant, nur einen Teilbetrag von einer Milliarde aufzulegen, wovon den Versicherungsunternehmen noch einige hundert Millionen reserviert werden sollten. Unter dem Eindruck der regen Nachfrage nach 8 1/2prozentigen Papieren entschloß man sich jedoch zu der Aufstockung.

Was der Bund mit dieser Anleihe erreichen will, ist mehrfach erklärt worden. Das Geld soll zunächst stillgelegt werden. Es wird Kaufkraft abgeschöpft, die nicht mehr preistreibend wirkenkann. Praktisch handelt es sich um eine neue Variante der Konjunkturabgabe. Allerdings mit zwei wesentlichen Unterschieden: Sie ist freiwillig, und das eingezahlte Geld wird hoch verzinst. Wenn der Bund diese Anleihe nach Ablauf von acht Jahren tilgen muß, hat er dafür mehr Zinsen gezahlt als der Anleihebetrag insgesamt ausmacht. Die Stabilitätsanleihe ist sicherlich keine billige Form der Konjunktursteuerung.

Die Nachfrage nach der Stabilitätsanleihe ist rege. Es besteht kein Zweifel, daß auch diese Emission – genau wie die vorangegangenen 8 1/2prozentigen Anleihen – untergebracht werden wird. Dafür wird das Bankenkonsortium schon sorgen. Spätestens am Freitag dieser Woche werden wir hören, daß die 1,5 Milliarden verkauft worden sind. Das sind die dem Konsortium angehörenden Kreditinstitute allein schon ihrem Prestige schuldig. Die Banken verzichten übrigens „freiwillig“ auf einen Teil ihrer üblichen Provision. Daß sie es nicht gerade freudig tun und es über diesen Punkt im Konsortium Debatten gegeben hat, brauche ich Ihnen, meine verehrten Leser, nicht zu sagen. Die Vertreter des Bundes und der Bundesbank haben bei der „Freiwilligkeit“ erheblich nachgeholfen.

Aber davon hat der Sparer nichts, höchstens in seiner Eigenschaft als Steuerzahler. Wir wollen prüfen, ob es zweckmäßig ist, Stücke der Stabilitätsanleihe zu zeichnen. Dabei braucht es Sie nicht zu stören, wenn Sie von Ihrer Bank bei der Zeichnung nicht berücksichtigt werden, weil Sie vielleicht Ihren Zeichnungswunsch zu spät angemeldet haben. Es wird noch viele 8 1/2prozentige Emissionen geben, für die das gleiche gilt, wie das, was zur Stabilitätsanleihe zu sagen ist.

So ist für April eine 400-Millionen-Anleihe der Bundespost vorgesehen. Im Mai wird das Land Bayern an den Kapitalmarkt herantreten. Und schließlich hat der Bund jederzeit die Möglichkeit, eine weitere, Tranche der Stabilitätsanleihe aufzulegen, bis zu 3,5 Milliarden Mark kapn er noch aufnehmen. Die Bundesregierung scheint allerdings bereit zu sein, auf weitere Stabilitätsanleihen zu verzichten, falls sich die Markt- und Wirtschaftsdaten verändern, was im Gefolge der neuen Aufwertung ja ohne weiteres den allsein könnte. Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil sich an ihm ablesen läßt, daß die Bundesregierung anscheinend nicht an noch höheren Zinsen interessiert ist. Im Gegenteil, es könnte der Fall eintreten, daß niedrige Zinsen als Konjunkturstützung erwünscht sein müssen.

Deshalb meine ich, meine verehrten Leser, daß der Neunprozenter nach wie vor nicht in Sicht ist. Es besteht daher keine Veranlassung, 8 1/2prozentige Emissionen auszuschlagen, um auf eine noch bessere Verzinsung zu warten. Damit ist nicht gesagt, daß sich die Rendite festverzinslicher Papiere nicht „hinter dem Komma“ verbessern könnte. Da aber Abwarten Zinsverzicht bedeutet, bringt dies wahrscheinlich nicht viel ein. In den letzten Wochen hat sich die Rendite der 8 1/2 prozentigen Anleihen sogar leicht verringert. Es begann mit 8,62 Prozent, bei der Stabilitätsanleihe macht sie nur noch 8,55 Prozent aus. Das liegt an dem relativ hohen Ausgabepreis von 99 3/4 Prozent. Der Rückzahlungsgewinn beträgt nur 1/4 Prozent und ist auf die gesamte achtjährige Laufzeit der Anleihe umzulegen.

Im übrigen wird die Stabilitätsanleihe jährlich verzinst. Ein Ausdruck effektiver Stücke erfolgt nicht. Der Sparer erhält von seinem; Kreditinstitut also nur eine Bescheinigung über den Kauf. In den Augen vieler Sparer ist das ein Nachteil, weil man diese Stücke nicht unbemerkt bewegen kann. Das gilt auch für die Einlösung der Zinskupons. Natürlich eignet sich die Anleihe zur prämienbegünstigten Anlage, auch im Rahmen des 624-Mark-Gesetzes.