Der Präsident sagte nein („Gründe für eine wesentliche Preissteigerung im westdeutschen Hotel- und Gaststättengewerbe sind pauschal nicht gegeben“), und der Präsident sagte ja („Ja – so wie alles andere auch teurer wird“). Präsident Rudolf Eberhard vom Deutschen Fremdenverkehrsverband mutmaßte vor Journalisten über einen möglicherweise bevorstehenden Preisauftrieb im deutschen Urlaubssommer 1973. Schließlich fand er die erlösende Formel: „Gastronomie und Hotellerie kalkulieren vernünftig. Die machen heute nicht mehr hemmungslos jeden Preisauftrieb mit. Das können sie sich wegen des Konkurrenzdruckes vom Ausland gar nicht leisten.“

Der Optimismus des Präsidenten scheint ungeeignet, die Sorgen des heimischen Touristikgewerbes zu zerstreuen. Die permanenten Schwächeanfälle des US-Dollars machen die Bundesrepublik für das verwöhnte amerikanische Reisepublikum zu einem teuren Urlaubsland. Hingegen betragen die Steigerungsraten in den USA selbst nur drei bis vier Prozent. Zum westdeutschen Preisauftrieb von sieben kommt die Dollarabwertung von zehn Prozent plus kalkulierbare Preiserhöhungen von ... Eberhard: „Eine Steigerung von nur sechs Prozent in diesem Jahr wäre ein Erfolg der Stabilisierungsbemühungen.“

Westdeutschlands weiße Industrie wird Einbußen hinnehmen müssen. Im Sommerhalbjahr 1972 stagnierte der Inlandsreiseverkehr ohnedies.

Aufs ganze Jahr bezogen erhöhten sich die Übernachtungszahlen zwar um zwei bis drei Prozent, doch die Zuwachsraten sind rückläufig. Eberhard propagierte denn auch mit ernster Miene eine Verbesserung des deutschen Fremdenverkehrsangebots. Das Heil sieht er in touristischer Zielgruppeninformation.

Vier Hauptgruppen will der Deutsche Fremdenverkehrsverband hinfort besondere informatorische Fürsorge angedeihen lassen. Nach Eberhards und seiner Mitstreiter Ansicht ist die Bundesrepublik ein wettbewerbsfähiges Ferienland für Familienurlauber (soweit sie den Verlockungen Österreichs und der Schwarzmeerküste widerstehen), für Aktiv-Urlauber (die zwischen Angeln in Irland und Safari in Ostafrika auch ohne die Bundesrepublik mehr Wahl als Freizeit haben), für Gesundheitsurlauber (soweit sie sich in Bad Schwalbach einen besseren Service erhoffen als in Marienbad oder Badgastein) und schließlich für Kurzurlauber (denen Paris, London, Beirut, Kairo und Mallorca endlich zum Halse heraushängen).

Mit lästigen Einzelheiten hielt sich der Präsident nicht auf, Eberhard: „Wir können es uns einfach nicht leisten, zuzusehen, wie der Inlandstourismus und der Tourismus aus dem Ausland in die Bundesrepublik stagnieren.“ Sollte es wider Erwarten nicht gelingen, die angepeilten Zielgruppen für die teure Heimat zu begeistern, wird man sich’s eben doch leisten müssen. bo