In der ZEIT Nr. 8 vom 16. Februar 1973 berichtete Beate Gross über ihre nervenaufreibende Arbeit als Schülersprecherin. Ihr Artikel zeigt, daß sie recht viele Illusionen hatte, als sie ihr Amt antrat, und daß sie auch nicht wußte, wie sie ihre Ziele durchsetzen sollte.

Als einzelner zu versuchen, die Schule nur durch die Schülermitverwaltung (SMV) zu demokratisieren, ist meiner Ansicht nach fast unmöglich. Vernünftiger wäre es, sich mit einer Gruppe von engagierten Leuten aus verschiedenen Klassen zusammenzusetzen, sich klarzuwerden über die Stellung des einzelnen in der Schule und über die Funktion der Schule in der Gesellschaft und sich eine Konzeption für die „Schülerarbeit“ zu erarbeiten. Dann müßten möglichst viele Schüler versuchen, sich als Stimmberechtigte in der SMV zu etablieren, und zwei oder drei müßten sich zur Wahl für die Schülersprecher, Stufensprecher oder Schulsprecher stellen, um so auch Spitzenpositionen zu besetzen.

Zur Schülerarbeit noch einige organisatorische Ratschläge:

  • Es wäre sinnvoll, durch Schulfeste, Tombola und ähnliches einen autonomen SMV-Etat zu schaffen, der so vor der finanziellen Abhängigkeit bewahrt.
  • Es ist nützlich, eine Schüler- (nicht Schul-) Zeitung als Publikationsorgan der Schülergruppe herauszugeben, was jedoch nicht zur Hauptaufgabe der Gruppe werden darf.
  • Durchzuführen wäre eine Befragung aller Schüler, welche ihrer Interessen vom Schulbetrieb nicht berührt werden und wann die Betreffenden Zeit haben, über die Strukturierung ihrer Interessen zu beraten.
  • Die SMV hat die Möglichkeit, alle Schüler über Dinge zu informieren, die Schüler unmittelbar angehen (Rechte der Schüler, Wehrkunde, Bildungspolitik): Man faßt alle zur Verfügung stehenden Beratungsstunden zusammen und führt einmal im Monat einen SMV-Informationstag durch.
  • Damit die Schülersprecher durch Fach-, Gesamt-, Klassen- oder Elternbeiratskonferenzen nicht so überlastet werden, empfiehlt es sixh, für alle Arten von Konferenzen aus dem, Kreis der Klassensprecher Vertreter der SMV zu delegieren.
  • Sehr wichtig ist es, Kontakte zu anderen Gruppen zu knüpfen, um die eigene Arbeit an der anderer Gruppen zu prüfen und daraus zu lernen. Der Politische Arbeitskreis Schule (PAS), 53 Bonn, Langgasse 10, führt auch Seminare für Schüler durch und gibt Informationen heraus.

Damit die Unterredungen zwischen der Schülergruppe und der SMV oder der Schülergruppe und dem Direktor oder einer Konferenz möglichst emotionslos ablaufen, ist es besser, die Existenz und die Ziele der Schülergruppe nicht so laut herauszuposaunen, sondern lieber alles über die SMV, den offiziellen Verhandlungspartner der Schulleitung, ablaufen zu lassen; andernfalls werden, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, Konflikte vielleicht sogar provoziert, um sie auf dem Rücken der betreffenden Schüler auszutragen.

Ekko von Schwichow, 17 Jahre