In der Zeit des Stalinismus weihte man im Untergrund Geheimbischöfe, die natürlich entdeckt wurden. Drei von ihnen leben noch heute – als Hilfsarbeiter, denen jede priesterliche Tätigkeit untersagt ist. Was hatten die Gläubigen davon? Schließlich waren zehn von zwölf Bistümern ohne Oberhirten.

Politik ohne Illusion

Dieser Auszehrungsprozeß ist jetzt wenigstens gebremst. Drei der vier neuen Bischöfe waren in der regierungsgelenkten Priesterbewegung tätig, doch Casaroli hat sich diese Männer sehr genau angesehen, ihre Motive und ihre Kirchentreue geprüft. Er weiß, daß nicht wenige Gläubige diesen Bischöfen mißtrauen. Deshalb hat er darauf bestanden, daß sie ihre politischen Ämter niederlegten.

Casaroli leugnet gar nicht, daß es gleichwohl Risiken gibt. Aber sind sie für die atheistischen Dogmatiker geringer? "Wir stellen stets dieFrage der Garantien und erwarten keine raschen Resultate", sagt er. Seine Kritiker wissen keine Alternative zu dieser illusionslosen Politik. Denn die Zeiten, als ein päpstlicher Nuntius Prag verließ, nur weil der Staatspräsident das Patronat der Hus-Gedenkfeiern übernommen hatte (1927), sind ebenso vorbei wie jene, als ein steriler vatikanischer Antikommunismus den Kommunisten Vorwände lieferte, um Bischöfe einzukerkern. Einem von ihnen, der in Hitlers und Stalins Gefängnissen saß, Stefan Trochta, hat der Papst jetzt die Kardinalswürde verliehen.