Das europäische Floating schafft die Voraussetzungen für einen erfolgreicheren Kampf gegen die Inflation

An der Währungsfront ist eine Schlacht geschlagen, und alle Beteiligten dürften sich als Sieger fühlen. Durch die Aufwertung der Mark und des Yen haben die USA ihre internationale Wettbewerbsposition verbessern können. Die Europäer können aufatmen, weil der völlige währungspolitische Zerfall der Gemeinschaft nicht stattgefunden hat. Alle zusammen können hoffen, mit Hilfe des Floatens die Gefahr immer rascher aufeinander folgender Währungskrisen vorerst gebannt zu haben. Das verschafft die für eine Reform des Weltwährungssystems notwendige Atempause. Ob ohne den Druck ständiger Krisen dabei rasche Fortschritte zu erwarten sind, ist allerdings eine andere Frage.

Daß Engländer, Italiener und Iren vorerst nicht Mitglieder im Klub der harten Währungen wurden, ist nur logisch und erspart allen Beteiligtenspätere Enttäuschungen. Die Schwäche von Pfund und Lira hätte innerhalb des Blocks sonst sehr rasch zu neuen Währungsunruhen geführt.

Nachdem die äußere Bedrohung des Währungssystems zumindest für einige Zeit gebannt scheint, haben die Wirtschaftspolitiker jetzt den Rücken frei für den Kampf gegen den inneren Feind des Geldwertes – die Inflation. Immerhin besteht jetzt die Aussicht, daß nicht jede Maßnahme, mit deren Hilfe übermäßige Kaufkraft beim Steuerzahler oder im Bankensystem abgeschöpft werden soll, gleich am nächsten Tag durch hereinströmende Dollarmilliarden konterkariert wird.

Nationale Alleingänge im Kampf gegen den Geldwertschwund werden allerdings nicht sehr weit führen. Eine gemeinsame Front der Wirtschaftsminister des europäischen Blocks im Kampf um mehr Stabilität ist heute notwendiger denn je. Dem neuen Bund kann nur dann ein längeres Leben beschieden sein, wenn die wirtschaftliche Entwicklung in den Mitgliedsländern einigermaßen parallel verläuft. Andernfalls werden sich die festen Wechselkurse zwischen den sechs Ländern nicht aufrechterhalten lassen. Vielleicht entsteht aus diesem Zwang heraus ein neuer Impuls für die europäische Integration.

Der Kampf gegen die innere Bedrohung des Geldwertes wird allerdings ungleich schwerer sein als das Ringen um europäische Solidarität in der Währungspolitik. Denn dabei müssen die Forderungen der sozialen Gruppen und der staatlichen Körperschaften auf wachsende Anteile am Sozialprodukt auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt werden.

Das ist in einer Zeit, in der radikale Politiker wie Jochen Steffen und lautstarke Gruppen wie die Jusos wieder zum Klassenkampf aufrufen, und in einer Zeit, in der die Leistungsgesellschaft attackiert, aber an die finanzielle Leistungsfähigkeit der Wirtschaft immer höhere Forderungen gestellt werden, keine leichte Aufgabe. Die Vorstellungen, wie sie gelöst werden kann, sind noch recht vage. Bisher hatte die Bundesregierung stets die ebenso zutreffende wie bequeme Ausrede, daß die ungelösten Währungsprobleme eine konsequente Stabilitätspolitik behinderten. Durch seinen Erfolg in Brüssel hat Helmut Schmidt jetzt aber die Regierung auch im Kampf gegen die Inflation zum Erfolg verurteilt.

Und Erfolge müssen sich bald zeigen. Denn wenn die Preise trotz einer relativ zurückhaltenden Tarifpolitik der Gewerkschaften im bisherigen Tempo – oder gar verstärkt – weiter steigen, dann darf niemand hoffen, die Arbeitnehmer noch einmal für einen derartigen Versuch zu gewinnen. Eine solche Taktik könnten die Gewerkschaften ihren Mitgliedern auch kaum „verkaufen“. Das fällt ihnen jetzt schon schwer genug. Wenn aber erst der unheilvolle Wettlauf zwischen Löhnen und Preisen beginnt, darin heißt der Sieger Inflation. Michael Jungblut