Von Roll Diekhof

Im Hamburger Nobelhotel „Vier Jahreszeiten“ plauderte VW-Finanzchef Friedrich Thomée ungezwungen über einen brisanten Evergreen der Autobranche – über die Möglichkeit einer Fusion zwischen Daimler-Benz und BMW. Das Thema, von Branchenjournalisten, Aktienspekulanten und Börsenbriefen in den letzten Wochen wieder aufgefrischt, hat eine bewegte Vergangenheit und offensichtlich noch eine lange Zukunft. „Da tut sich was“, sinnierte Thomée über BMW, „doch der Zeitpunkt ist völlig ungewiß.“

Daß sich gegenwärtig oder auf absehbare Zeit etwas tut, wird von den Beteiligten heftig dementiert. Die Familie Flick, Großaktionär bei Daimler-Benz, schweigt offiziell und dementiert vertraulich jegliche Gespräche sowie die Absicht zukünftiger Verhandlungen. Für Herbert Quandt dementiert Graf von der Goltz, Spitzenmanager in Quandts Bad Homburger Schaltzentrale: „... ein völliges Rätsel, wieso diese Dinge jetzt hochkommen.“ Eberhard von Kuenheim, gestandener Quandt-Mann und BMW-Vorstandschef, findet derartige Spekulationen „bar jeder Realität“, denn „zur Zeit wird daran nicht einmal gedacht“.

Trotz aller Dementis wird in der Branche viel darüber nachgedacht, was Herbert Quandt denkt und plant. Schließlich hat das Thema Autofusion bereits eine bewegte Vergangenheit: Fast alle drei deutschen Autokonzerne haben in der Vergangenheit in allen möglichen Kombinationen über Aufkauf, Fusion oder Kooperation miteinander parliert oder gegeneinander konspiriert.

So wollten Flick und Daimler-Benz Ende der fünfziger Jahre schon einmal nach BMW greifen. Der Stuttgarter Griff nach dem damals scheinbar nicht mehr lebensfähigen Unternehmen wurde mit feinen und auch weniger feinen Methoden abgewehrt. Wenig später war BMW plötzlich fest in Quandts Hand und erlebte einen Aufstieg, der in der europäischen Autogeschichte einmalig ist. Seit dieser Zeit gibt es zwischen den Flicks und Quandt gewisse atmosphärische Störungen.

Mitte der sechziger Jahre kämpfte „Wolfsburgs großer Mann“, Heinrich Nordhoff, für eine deutsche Auto-Union – unter Ausschluß von BMW. Nordhoff überzeugte Hermann Josef Abs (Deutsche Bank) und Friedrich Flick (im vorigen Jahr gestorben). Nordhoff-Nachfolger Kurt Lotz ließ 1968 die große Fusion platzen. Noch heute aber gilt für die Flicks, daß eine Fusion mit Wolfsburg vom Modellprogramm her eigentlich besser passen würde.

Der zu großen Taten neigende Lotz begann prompt ein Techtelmechtel mit Quandt. Der Käfer-General und der scheue Herrscher aus Bad Homburg verhandelten mehrmals über die Möglichkeit eines Verkaufs von BMW an Wolfsburg. Der Handel zerschlug sich noch vor Lotz’ Fall. Inzwischen sind die VW-Manager der Ansicht, daß „BMW eine Braut ist, die man heute nicht, mehr heiratet“ (VW-Vorstand Horst Backsmann).