Professor Dr. Egon Sohmen (42) lehrt Volkswirtschaft an der Universität Heidelberg. Von ihm erschien in jüngster Zeit das Buch – „Wechselkurs und Währungsordnung“.

  • Ist das Gemeinschaftsfloating von sechs EWG-Ländern der bestmögliche Ausweg aus der jüngsten Währungskrise?

Sohmen: Die Frage wird verschieden beantwortet werden müssen, je nachdem, was man unter „bestmöglich“ verstehen will. Politisch dürfte es im Augenblick in der Tat die bestmögliche Lösung gewesen sein, die überhaupt gangbar war.

  • Erleichtert der flexible Kurs zum Dollar die Neuordnung des gesamten Währungssystems?

Sohmen: Diese Frage würde ich unbedingt bejahen. Jedem Sachkenner mußte es schon seit längerer Zeit klar sein, daß ein Ausweg aus dem Währungsdilemma nur durch erhöhte Flexibilität der Wechselkurse gefunden werden konnte. Die Bedeutung der jüngsten Beschlüsse liegt darin, daß sie diese Tatsache auch den bisher noch widerstrebenden Politikern und der Öffentlichkeit deutlich werden lassen. Die jahrelang von offiziellen Kreisen (wie etwa der EWG-Kommission) genährte Illusion, flexible Wechselkurse seien mit weltwirtschaftlicher Integration nicht verträglich und zumindest innerhalb der EWG unvorstellbar, dürfte damit zu Grabe getragen worden sein. Dies dürfte eine sehr viel bessere psychologische Grundlage für die Schaffung eines wirklich funktionsfähigen Währungssystems schaffen.

  • Gehört flexiblen Kursen die Zukunft?

Sohmen: Der Ausdruck „flexible Wechselkurse“ war jahrelang für viele Leute geradezu ein Schreckgespenst, das Gedankenassoziationen an wildes Spekulationsfieber, Chaos und Weltuntergang (oder zumindest an den Untergang des Welthandels) weckte. Es sollte daher wohl zuallererst festgehalten werden, daß damit zunächst nichts weiter gemeint ist als die Aufhebung der unbedingten Verpflichtung einer Notenbank, an den Devisenmärkten zur Stabilisierung der Kurse bestimmter Währungen zu intervenieren. Flexibilität impliziert selbstverständlich keineswegs die umgekehrte Verpflichtung, niemals zu intervenieren. Es sollte jedoch auch mit der Vorstellung aufgeräumt werden, daß die Kurse ohne offizielle Interventionen zwangsläufig wild schwanken müßten.

Darüber hinaus steht selbstverständlich einer Vereinbarung bestimmter Länder nichts im Wege, die Austauschrelationen ihrer Währungen untereinander konstant zu halten oder nur geringfügig schwanken zulassen. Ob eine solche Vereinbarung zwischen allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft Aussicht auf Bestand haben könnte, ist eine offene Frage. Die Funktionsfähigkeit einer solchen Vereinbarung hängt unter anderem davon ab, inwieweit diese Länder bereit sind, ihre Inflationsraten möglichst weitgehend anzupassen. Ist dies nicht zu erwarten, wird auch die Fixierung der Wechselkurse zwischen ihren Währungen keine Aussicht auf dauernden Erfolg haben. Das krampfhafte Festhalten an fixierten Kursen wird sich auch in diesem Falle als eine sehr viel nachhaltiger wirkende Integrationsbremse erweisen als elastisch anpassungsfähige Kurse.