Die Holsten-Brauerei in Hamburg, Norddeutschlands größte Brauerei mit einem Gruppenbierausstoß von 2,4 Millionen Hektoliter, unternimmt in diesen Jahren einen Kraftakt. Sie hat einmal bei sich und ihren Beteiligungsfirmen einen Investitionsboom zu bewältigen, zum anderen den Erwerb der Kaiser-Brauerei AG in Hannover finanziell zu verdauen, was immerhin mehr als 20 Millionen Mark erfordern dürfte. Bisher liegen erst 65 Prozent des Kaiser-Kapitals bei Holsten, weitere 30 Prozent müssen innerhalb der nächsten drei Jahre übernommen werden.

Der Investitionsschwerpunkt der Gruppe verlagert sich jetzt auf die Beteiligungsbrauereien Bill und Kaiser. Bei beiden Gesellschaften hat Holsten (und damit natürlich auch für deren freie Aktionäre) auf eine Dividende verzichtet. Bei Holsten werden sich im Geschäftsjahr 1972/73 die Investitionen auf 15 (30) Millionen halbieren und im kommenden Jahr noch weiter sinken, so daß dann Mittel zum Erwerb der restlichen Kaiser-Aktien zur Verfügung stehen dürften.

Die Brauerei muß ihre Expansion – wie bisher – aus eigener Kraft schaffen. Das ist der Wille des Mehrheitsaktionärs Eisenbeiss, der aber auch gleichzeitig noch „Geld“ sehen will. Dank ihrer guten Ertragskraft kann Holsten beide Ziele erreichen. Sie schüttet für 1971/72 wieder eine Dividende von neun Mark je 50 Mark-Aktie aus: das ist etwas mehr als die Hälfte des Gewinns je Aktie, der auf 17 (20,50) Mark errechnet worden ist.

Holsten wird auch in Zukunft eine Brauerei bleiben, die Bier braut, um Gewinne zu machen. Sie denkt nicht an Preisschleuderei. Dies um so weniger als das vergangene Jahr gezeigt hat, daß man auch bei auskömmlichen Bierpreisen überdurchschnittliche Zuwachsraten beim Ausstoß erzielen kann. K. W.