Die Finnen beherrschten die Langläufe

Von Claus Beissner

Der Holmenkollen-Aasen, der 360 Meter hohe Hügel zehn Kilometer vor den Toren der Stadt Oslo, gilt als die Geburtsstätte des nordischen Ski-Sports. Seit gut 100 Jahren werden in dem Gelände der Nordmark Ski-Wettbewerbe ausgetragen, die ersten überlieferten Wettkampf-Protokolle stammen aus dem Jahre 1879. 13 Jahre später schon wurde diese Veranstaltung in den Rang offizieller Ski-Spiele erhoben. Jetzt durfte die Ski-Vereinigung, die als Organisator der Holmenkollen-Rennen auftritt und im 90. Jahr besteht, ihre 75. Veranstaltung durchführen.

Auch nach 75 Jahren gehören die Ski-Spiele am Holmenkollen immer noch zu den wichtigsten Wettkämpfen im nordischen Ski-Sport, selbst wenn diese Veranstaltung ihre einstmals exklusive Stellung durch das Aufkommen ähnlicher Wettbewerbe im Laufe der Zeit verloren hat. Dennoch zählt ein Sieg am Holmenkollen viel, die Norweger behaupten sogar, daß ein Weltmeister erst dann seinen Titel zu Recht trägt, wenn er auch am Holmenkollen gewonnen hat.

1891 wurde hier die erste künstliche Sprungschanze erbaut, vorher waren die Springer von Naturanlagen geglitten. Im gleichen Jahr hatte die Ski-Vereinigung von der Holmenkollen-Gesellschaft, die dieses Gebiet verkehrsmäßig erschloß, für eine Jahrespacht von fünf Kronen das Recht zugestanden bekommen, einmal im Jahr in diesem Gelände Skirennen zu veranstalten. Das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben, nur einmal in zwölf Monaten wird von der Holmenkollen-Schanze gesprungen. Nur zweimal gab es eine Ausnahme: 1952 bei den Olympischen Winterspielen und 1966 bei den Weltmeisterschaften in den nordischen Konkurrenzen.

18mal ist die Sprungschanze bislang umgebaut worden, ihre jetzige Form verdankt sie dem Oberstdorfer Architekten Heini Klopfer. Als erster Rekord wurde der 21,5-Meter-Sprung von Arne Ustvedt notiert, seit 1969 hält der Finne Topi Mattila mit 92 Metern die Bestleistung. Bis auf einen halben Meter ist am letzten Sonntag der Jugoslawe Marian Prelousek an diese Weite herangekommen. Die Siegerliste der bisherigen Holmenkollen-Rennen nennt bis in die Mitte der fünfziger Jahre in erster Linie Norweger.

Nur gelegentlich hatten Schweden oder Finnen die Erfolgsserie der norwegischen Athleten durchbrechen können. Als erstem nichtskandinavischen Wettkämpfer gelang Helmut Recknagel aus der DDR im Spezialsprunglauf 1957 ein Holmenkollen-Sieg. Ein Jahr später beendeten die Russen endgültig die Hegemonie der Nordländer, 1963 folgte durch Georg Thoma in der Kombination der erste Erfolg eines bundesdeutschen Wintersportlers, Thoma wiederholte diesen Sieg in den nächsten beiden Jahren und wurde 1967 durch Franz Keller aus Nesselwang abgelöst. In der letzten Woche stellte der deutsche Ski-Verband der Bundesrepublik mit dem 19jährigen Georg Zipfel aus Kirchzarten, der den 15-Kilometer-Junioren-Wettbewerb gewann, einen weiteren Sieg am Holmenkollen.