ZDF, Donnerstag, 15. März: "Die Zwei im Zweiten"

Eine kleine Sendung, Gebrauchsfernsehen, unerheblich und ziemlich spät am Abend, halb elf. Eigentlich brauchte man darüber auch kein Wort zu verlieren, wenn nicht doch ein paar Beobachtungen zu machen gewesen wären, die auf die Ursache mancher mißratenen Unterhaltungssendungen hinwiesen.

Zwei Komiker traten auf als Conférenciers; sie spielten, um die einzelnen Nummern miteinander zu verbinden, mehr oder weniger selbständige Sketche. Oberflächlich betrachtet, rissen sie keine übermäßig originellen Witze, doch irgend etwas machte auch ihre knallige Varietékost bekömmlich, eine Art von Gewürz, pikant, vorsichtig, verwendet, man könnte es Ironie nennen.

Das war das eine. Das andere war die Erfahrung, daß als verschlissen geltende Showleute wie eben entdeckte Talente wirken; können. Kein Name, der einen gleich vom Stuhl risse, aber alsbald zappelte man trotzdem vor Vergnügen. Zum Beispiel war da Caterina Valente, von der es heißt, sie komme beim deutschen Fernsehpublikum nicht an, weswegen man ihr, um es zu zwingen, möglichst dämliche Schlager in den Mund legt. Hier, in dieser vom französischen Fernsehen, Zweites Programm, übernommenen Show wirkte sie wie eine kleine Sensation. Ein Scat-Song-Liedchen, mit Michel Legrand im Duett gesungen, schwebte leicht vorüber, vorgebracht mit hinreißend kunstvoller Leichtigkeit, erzmusikalisch, lustig, dabei geradezu langweilig photographien: Brustbild.

Oder Ike und Tina Turner mit ihrem alten Hit "Proud Mary". Der wirkte, ohne daß seine Interpreten zu sonderbaren Verrenkungen angehalten worden wären, ungemein lebendig. Das lag vor allem an der Korrespondenz der Mittel: Bewegung, Gesang, Bild. Auf einer Art von Spiegelzaun wurden übergroß Gesichter der Beteiligten geworfen, immer haargenau im richtigen Augenblick im richtigen Ausschnitt mit der passenden Mimik oder Gestik. Zusammen bildete es, was man eine "mehrstimmige Komposition" nennen könnte; sehr temperamentvoll, aber ohne daß das Publikum durch wilde Schnitte verrückt gemacht wurde.

Oder Marcel Amont, ein liebenswerter Sänger. Er tanzte den Inhalt seines Liedchens mit virtuoser Beiläufigkeit über die Bühne, ein Auftritt voller Charme, oft in der Totalen photographiert. Man sah auch Françoise Hardy, auch Serge Gainsbourg. Und am Ende fragte man sich, was diese kleine Show so ungewöhnlich hat erscheinen lassen.

Es gibt nur eine Erklärung: Es war André Fiederick, der Regisseur. Eigentlich hat er gezeigt, daß Unterhaltungskünstler bei ihren Auftritten immer nur die Fähigkeiten ihrer Regisseure reflektieren. Daraus müßte nun der Schluß erlaubt sein, daß einmal ein Regisseur kommen müßte, der auch mit Peter Alexander, der ja kein Unbegabter ist, eine sehr gute Peter-Alexander-Show macht, der mit Udo Jürgens wie mit Hermann Prey wie mit Peter Frankenfeld umzugehen verstünde, einer also, der mit der Geduld, die gewöhnlich Theaterregisseure für eine Inszenierung aufwenden, mit Stars hart arbeitete und sie überzeugte, daß das, womit sie beim Publikum anzukommen glauben, nicht immer zu ihrem Ruhme beiträgt, sondern sie nur weiter in den Klamauk gleiten läßt.

Manfred Sack