Horst Weber, Chefberater von Daiwa Securities in Frankfurt analysiert die Chancen für Spekulanten:

Die Abwertung des US-Dollar um zehn Prozent und die Entscheidung der japanischen Regierung, den Yen floaten zu lassen, haben die japanische Wirtschaft vor neue Tatsachen gesetzt. Für die japanische Börse sind insbesondere zwei Fragen von Relevanz:

  • Wie verändern sich die Zuwachsraten des japanischen Bruttosozialprodukts 1973?
  • Wird die „easy money Situation“ weitgehend erhalten bleiben?

Die ursprünglichen Schätzungen für die realen Zuwachsraten des japanischen Bruttosozialprodukts lagen bisher zwischen 12 und 13 Prozent für das Fiskaljahr 1973. Diese Zahlen müssen jetzt revidiert werden. Man kann realistischerweise davon ausgehen, daß die Aufwertungsrate des japanischen Yen gegenüber dem Dollar 17 bis 18 Prozent betragen dürfte, das heißt: ein US-Dollar dürfte etwa 256 Yen ausmachen.

Trotz dieser extrem erscheinenden Korrektur dürfte die reale Zuwachsrate für das Bruttosozialprodukt Japans noch über 10 Prozent liegen, da ein weitgehender Kompensationseffekt durch die hohen zusätzlichen Staatsausgaben erreicht wird. Ferner ist zu berücksichtigen, daß der hohe Aufwertungseffekt nur gegenüber den USA erreicht wird. Der Export nach den Vereinigten Staaten stellt aber nur 35 Prozent der Gesamtexportquote Japans dar. Gemessen am Bruttosozialprodukt sogar nur zehn Prozent (gegenüber 18 Prozent bei der Bundesrepublik).

Ein namhaftes japanisches Researchinstitut vertritt die Meinung, daß selbst bei einer Aufwartung des Yen um 22 Prozent gegenüber dem US-Dollar noch eine reale Steigerungsrate des Bruttosozialprodukts von 9,5 Prozent für 1973 möglich ist.

Motor für die japanischen Kurssteigerungen ist vor allem der Faktor Liquidität. Die Steigerungsraten der Großhandelspreise ließen noch vor wenigen Wochen vermuten, daß die Bank von Japan in aller Kürze weitere restriktive Maßnahmen (Erhöhung der Mindestreserven, Diskontsatzerhöhung) beschließen würde. Dieses Instrumentarium wird jetzt (angesichts der preisdämpfenden Wirkung der Aufwertung) kaum noch Anwendung finden, so daß die „easy money Situation“ der japanischen Wirtschaft weitgehend erhalten bleibt.