Bundeskanzler Willy Brandt störte offenbar doch sehr, daß er am Tag, als drei Milliarden, Dollar in die Bundesrepublik flossen, ohne wirtschaftspolitischen Berater war. Nach längerem Zögern fand Brandt jetzt den Nachfolger auf dem Stuhl der Abteilung Wirtschaftspolitik im Kanzleramt. Für Karl Otto Pöhl, jetzt Staatssekretär im Finanzministerium, holte sich der Kanzler einen Mann aus Brüssel: Manfred Lahnstein, erst 36 Jahre alt, Kabinettschef von Wilhelm Haferkamp, der seit kurzem EWG-Kommissar für Wirtschaft und Finanzen ist.

Lahnstein kommt wie sein Ex-Chef Haferkamp aus der Gewerkschaftsarbeit. Er gehörte einst als Jung-Gewerkschaftler zur DGB-Elite von Nordrhein-Westfalen, war mit 25 Jahren jüngstes Ratsmitglied und SPD-Fraktionschef in seiner Heimatstadt Erkrath, ging von dort 1971 zu Haferkamp. Dsbdieufdmfndfjmfokfjjjiokonnte* Haferkamp habe die beste Mannschaft in Brüssel, ist nicht zuletzt ein Kompliment für Lahnstein.

Der Kanzler bewies einmal mehr seine Vorliebe für Berater aus dem DGB-Lager. Vor Pohl diente dem Kanzler Gewerkschafter Herbert Ehrenberg, und auch jetzt waren neben Lahnstein zwei weitere DGB-Kandidaten im Gespräch: Heinz Markmann, Leiter des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts des DGB, und Ministerialdirektor Alfred. Christmann, Leiter der Grundsatz- und Planungsabteilung im Arbeitsministerium.

*

Offenbar trog der erste Anschein, daß Wirtschaftsminister Hans Friderichs wie seine Amtsvorgänger das Parteibuch seiner Beamten nicht zur Grundlage für Beförderungen machen würde. Zwar waren die Umbesetzungen in der Amtsspitze vor einigen Wochen parteipolitisch ausgewogen, unterhalb der Direktionsebene scheint nun aber eine Menge mehr zu passieren. So heißt es jetzt inoffiziell, daß Friderichs den bisher für die Personalpolitik zuständigen Unterabteilungsleiter, Ministerialdirigent Hans Schüssler (SPD), von seinem jetzigen Posten auf einen anderen, wohl weniger bedeutenden Stuhl versetzen will. An seine Stelle soll ein FDP-Mann treten: Ministerialrat Eberhard Beck, bisher Leiter des Referats Versorgungswirtschaft.

Von dem zu Helmut Schmidt abgewanderten Dieter Hiss übernimmt ein im konjunkturpolitischen Grundsatzdenken wenig beheimateter Außenseiter die Leitung der Unterabteilung Grundsatz der Abteilung Wirtschaftspolitik: Friedrich Wilhelm Kirchhoff, der seine Blitzkarriere auch dem liberalen Parteibuch zu verdanken hat. Kirchhoff war bisher Leiter der Arbeitsgruppe Innenpolitische Grundsatzarbeit im Innenministerium. Bösartige Zungen behaupten bereits, im konjunkturpolitischen Grundsatzdenken der Bundesrepublik werde es bald so still wie auf einem Kirchhof werden.

*