Vielleicht, ist es ein Zufall: In derselben Woche, in der das amerikanische Vietnamkorps sich auflöste und offiziell von Saigon Abschied nahm, hat sich Washington zum erstenmal seit längerer Zeit gegenüber den Europäern wieder kooperativ gezeigt; es wird sich in Zukunft, wenn nötig, an der Verteidigung des Dollars beteiligen. Wenn es aber mehr wäre als ein Zufall, so wäre dem zeitlichen Zusammentreffen beträchtliche Bedeutung zuzumessen.

Seit einigen Jahren mußten die Europäer fürchten, daß der „Vietnamisierung Vietnams“ die „Europäisierung Europas“ auf dem Fuße folgen werde. Vieles deutete daraufhin, daß Nixon wegen Moskau oder Peking vor lauter Reisefieber Europa mit Nichtachtung strafen werde. Schlimmer noch: daß er gegenüber Russen und Chinesen die Konfrontation durch Kooperation ablösen, dafür aber den westeuropäischen Verbündeten die Faust zeigen wolle. Wenn es der Belege für diese Befürchtung bedurft hätte – die Schocktaktik Conallys lieferte sie im Herbst 1971.

Jetzt hat es, Gott sei Dank, den Anschein, daß dies nur eine Episode, eine Verirrung gewesen ist. Noch weiß die Öffentlichkeit nicht genau, wie die Drähte zwischen Bonn und Washington spielten. Aber sie funktionierten; nicht umsonst sind Henry Kissinger und Helmut Schmidt alte Freunde. Das amerikanische Einlenken läßt hoffen, daß die künftigen handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen Europa und Amerika, so hart sie auch werden mögen, doch im Geiste transatlantischer Solidarität, nicht zerstörerischer Selbstsucht verlaufen werden. Th. S.