Von Rudolf Herlt

In der großen atlantischen Auseinandersetzung sind die Europäer stets die schwächeren Partner

Ein erfahrener Regierungsberater hat einmal, aus dem Nähkästchen plaudernd, erzählt, wie er auf internationalen Konferenzen nach stundenlangen fruchtlosen Debatten immer auf den erlösenden Auftritt des Staatsmannes wartete, der in kühner Rede das Steuer herumreißt und eine festgefahrene Konferenz schließlich zum Erfolg führt. Nie hat er jedoch eine solche Szene erlebt.

Statt dessen war meist nach dem Mittagessen – niemand wußte so recht, warum – die Stimmung plötzlich umgeschlagen. Probleme, die am Vormittag unüberwindbare Hindernisse auf dem Wege zur Einigung zu sein schienen, erwiesen sich am Nachmittag als Belanglosigkeiten, die mühelos beiseite geräumt wurden. Denn nach dem Mittagessen pflegen die Gespräche zu zweit, zu dritt oder zu viert stattzufinden, die Konferenzen meist die entscheidende Wendung geben.

Währungskonferenzen machen da keine Ausnahme. Als sich die Finanzminister der Europäischen Gemeinschaft am 9. März zum erstenmal nach Ausbruch der letzten Dollarkrise mit den Amerikanern in Paris trafen, hatten sicher die meisten Teilnehmer den Eindruck, einer Konferenz von Anfängern beizuwohnen. Die Vertreter der europäischen Länder, die sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf ein gemeinsames Konzept geeinigt hatten, fragten die Amerikaner, was sie zur Wiederherstellung geordneter Vehältnisse auf den Devisenmärkten zu tun gedächten. Die Amerikaner reagierten, als hätten sie wochenlang keine Zeitungen gelesen, und fragten die Europäer, was die Gemeinschaft denn für dieses Ziel tun wolle.

Offiziell wurde dann erklärt, nun gingen die Europäer zurück nach Brüssel, um ihre Entscheidungen zu treffen. Die Amerikaner wollten ihrerseits überlegen, was sie im Lichte dieser europäischen Entscheidungen eine Woche später, am 16. März, anbieten wollten.

Am Rande dieser Sitzung vom 9. März sind aber schon die Weichen gestellt worden. In Gesprächen zwischen Helmut Schmidt und dem amerikanischen Finanzminister George P. Shultz einerseits, zwischen Schmidt und dem französischen Wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing andererseits und schließlich in einem Gespräch zu dritt sind die späteren Entscheidungen so vorgeklärt worden, daß am 16. März in einer knappen Stunde alles Notwendige gesagt war.