Minister Jochen Vogel wählte einen ausgefallenen Vergleich, als er in einem Interview mit konkret „dem linken Hamburger Magazin“ (Die Welt), seine Auffassung über das Auto kundtat: „Ein Auto ist nichts anderes als eine Trompete.“ Und dieses Instrument darf bekanntlich „nicht zu jeder Stunde und an jedem Ort“ geblasen werden, weil das sehr „erhebliche Scherereien“ geben kann.

Scherereien könnte der Minister mit Deutschlands Automobilfirmen bekommen, denn Vogel präsentierte einige Vorschläge, wie man die lästige Trompete Auto zum Schweigen bringen kann. Zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs sollte des Bundesbürgers liebstes Statussymbol „kostengerechter“ gemacht werden.

Kostengerechter bedeutet für den Käufer, daß er in Zukunft einen höheren Preis zu zahlen hätte. Schon beim Kauf, so Jochen Vogel, solle für die Verschrottung des Fahrzeugs eine angemessene Gebühr gezahlt werden. Ein- bis zweihundert Mark hält Münchens ehemaliger Oberbürgermeister für eine vernünftige Sache.

Aber auch „den Herren von der Automobilindustrie“ hat der Minister Einblick in seine Ideenwelt gewährt: Sie sollen sich schon mal Gedanken machen, wie die Produktionskräfte auf „sinnvolle Aufgaben“ gelenkt werden könnten.

Doch nicht nur des Ministers Worte machen den Autoindustriellen zu schaffen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin veröffentlichte eine Projektion über die „Entwicklung der Inlandsnachfrage nach Kraftfahrzeugen bis zum Jahre 1985“. Danach werden die jährlichen Zuwachsraten in den nächsten Jahren erheblich verringert: Während von 1960 bis 1970 pro Jahr der Kfz-Bestand im Durchschnitt um 8,6 Prozent wuchs, sinkt diese Rate auf vier Prozent für die Jahre 1970 bis 1980. Von 1980 bis 1985 soll sie schließlich nur noch durchschnittlich zwei Prozent betragen.

Im Endeffekt werden 1985 bei einem Bestand von 25 Millionen rund 2,9 Millionen neue Fahrzeuge zugelassen – allerdings werden dann im selben Jahr 2,6 Millionen verschrottet. edt