Bis zum April soll der Bundesbahnvorstand ein neues Unternehmenskonzept vorlegen, und darin auch Vorschläge zur besseren Rationalisierung des Bundesbahnbetriebes machen.

  • Ist es möglich, durch Rationalisierung die finanziellen Leistungen des Bundes an die Bundesbahn, die in diesem Jahr größer sind als je zuvor, allmählich wieder zu senken?

Haar: Wohl kaum. Wir haben die Absicht, die Ertragskraft der Bahn zu stärken. Wir wollen in dieser Legislaturperiode vier Neubaustrecken der Bundesbahn, die ja ihre Leistungen noch auf dem Schienennetz des vorigen Jahrhunderts erbringen muß, mitfinanzieren. Das kostet etwa elf bis zwölf Milliarden Mark, die die Bahn nicht allein aufbringen kann.

  • Nun ist die Bundesbahn ja ein außerordentlich. lohnintensives Unternehmen; etwa 70 Prozent ihres gesamten Aufwandes entfallen auf Lohnkosten. Muß die Bundesbahn deshalb Arbeitskräfte einsparen, wenn sie rationalisiert

Haar: Bei Rationalisierungsmaßnahmen wird es natürlich auch immer darum gehen, daß Personal eingespart wird, vor allem aber wird es darauf ankommen müssen, mit dem eingesetzten Personal einen höheren Ertrag zu erwirtschaften. Deshalb ja die Forderung, das Schienennetz auszubauen, weil hier wirklich bessere Erträge zu erzielen sind. Es geht uns also weniger darum, die Zahl der über 400 000 Bundesbahnbediensteten zu senken, sondern darum, mehr mit ihnen zu erreichen.

  • Der große Defizitbereich der Bundesbahn neben dem Personennahverkehr ist der Kleingutverkehr. Er bindet sehr viel Personal und erzielt dennoch nur Milliardenverluste. Denken Sie, wenn Sie von einer Umschichtung des Personals in ertragsfähigere Sparten sprechen, auch an diesen Bereich?

Haar: Ich denke, daß die Bahn eine weitere Konzentration im Stückgutverkehr vorgeschlagen wird.