Bundesdeutsche US-Spekulanten wurden in Wall Street wieder einmal enttäuscht. Von der Kursexplosion nach der Dollarabwertung blieb nicht viel übrig. Das spektakuläre Ereignis sorgte für ein kurzes Strohfeuer, das den Dow Jones am 13. Februar in der ersten Börsenstunde um 20 Punkte nach oben riß. Bei Börsenschluß war dann nur noch ein kläglicher Rest von fünf Punkten übriggeblieben.

Die Enttäuschung der Spekulanten ist um so größer, als die New Yorker Börse von maßgeblichen Fachleuten der westlichen Welt übereinstimmend als die Anlagealternative – mit den größten Kurschancen für 1972/73 angesehen wurde. Deutsche US-Aktionäre verloren jedoch nicht nur fast 15 Prozent ihres Geldes durch die neue Dollarkrise, sondern etliche Punkte durch die allgemeine Schwäche des Marktes.

Was ist aus dem „konjunkturellen Traumland 1973“ geworden? Die Zinsen, Motor für das Wirtschaftswachstum, zeigen Bremswirkung. Zum zweitenmal innerhalb von sechs Wochen hat der Federal Reserve Board (der Bundesbank vergleichbar) den Diskontsatz angehoben. Das größte Mißtrauen aber ruft die immer noch schwelende Währungskrise hervor. Die zweimalige Dollarabwertung hat sich bislang nicht ausgezahlt. Was wird noch alles geschehen müssen – so fragt das Wall Street Journal –, um die Zahlungsbilanz wieder ins Lot zu bekommen?

Die Londoner Börse erlebt zur Zeit die schwärzesten Monate seit einem Jahrzehnt. Erbitterte Kämpfe zwischen Regierung und Gewerkschaften beherrschen die Szene. Streiks, Währungsunruhen, die Schwäche des Pfundes, das erneut angestiegene Defizit der britischen Handels- und Zahlungsbilanz, Geldverknappung, Zinserhöhung, das ist mehr als eine Börse verkraften kann. Die düsteren Aussichten haben Spekulanten wie Anleger in Schrecken versetzt. Die Lage ist ernst. Allerdings haben sich solche Situationen in der Vergangenheit immer als ideale Startrampe für die nächste Hausse erwiesen. Signal dafür könnte die unerwartete Gewinnexplosion bei den britischen Großbanken sein. Sie profitierten in unvorstellbarem Maße von der staatlichen Hochzinspolitik. Für die National Westminster Bank beträgt die Ertragserwartung für 1973 50 Prozent, für Barcley 36 Prozent.

Mit Vorschußlorbeeren wird zur Zeit die Pariser Börse bedacht. Der unerwartet hohe Wahlsieg der Regierungsparteien sowie die überaus günstige Position bei den Währungsverhandlungen beflügeln die Börse. Zwar setzte der neue Streik des Börsenpersonals den Marktmechanismus erst einmal außer Kraft, doch kaum jemand zweifelt daran: Paris wird 1973 zu den bevorzugten Börsenplätzen gehören. jfr.