Gold hat viel zur spekulativen Währungsunruhe der letzten Monate beigetragen. Auf dem freien Goldmarkt trieben schon kleine Käufe den Preis stark in die Höhe. Man könnte zur Tagesordnung übergehen, wenn Gold nur Rohstoff wäre. Aber es ist noch immer das Mittel, in dem ein Teil der Währungsreserven gehalten wird. Und solange der Preis auf dem freien Goldmarkt über 80 Dollar je Unze steigt, der amtliche Preis aber 42 Dollar beträgt, trennt sich keine Zentralbank von ihren Goldreserven. Somit hat Gold seine Funktion als Zahlungsmittel zwischen Zentralbanken vorübergehend verloren.

Deshalb wird seit langem davon gesprochen, Gold aus amtlichen Beständen auf dem freien Markt zu verkaufen, damit die freie Notierung wieder in die Nähe des offiziellen Preises gebracht wird. Aber so einfach ist das nicht. In einem Abkommen vom März 1968 haben sich sieben Zentralbanken verpflichtet, kein Gold auf dem freien Markt zu verkaufen. Dieses Abkommen müßte erst suspendiert werden.

Der Tag, an dem das geschehen wird, scheint nicht mehr fern zu sein. Bundesbank-Vizepräsident Otmar Emminger rechnet damit, daß das Abkommen in zwei bis drei Monaten überprüft wird, wenn bei der Reform des internationalen Währungssystems im Zwanzigerausschuß Fortschritte erzielt werden. Gold, einst internationale Liquidität erster Ordnung, wäre dann nichts anderes als ein Instrument zur Stillegung von Liquidität. R. H.