Der Beschluß der Bundestagsfraktionen von SPD und FDP, in einem gemeinsamen Gesetzentwurf zur Reform des Paragraphen 218 die sogenannte „Fristenlösung“ vorzuschlagen, sichert dem Unternehmen noch nicht die parlamentarische Mehrheit. Aber es macht sie wahrscheinlich, zumal auch einige CDU-Abgeordnete dieser Regelung zuneigen und die Abstimmung vom Fraktionszwang frei sein wird, wie die Natur der Sache es verlangt.

Es ist wirklich eine Gewissensfrage für jeden Abgeordneten, ob er – bei grundsätzlichem Einverständnis über die Notwendigkeit der Reform – den Frauen während der ersten drei Monate ihrer Schwangerschaft das Recht auf freie Selbstbestimmung einräumen oder ob er die Entscheidung über den Abbruch werdenden Lebens in das Ermessen eines Dritten, des Arztes, verlegen soll. Für beide Lösungen gibt es gute und sogar schwerwiegende Gründe.

Wenn das Fristenmodell den Vorzug verdient, so gewiß nicht wegen der frivolen Spruchband-Propaganda für den „Bauch, der mir gehört“, sondern allenfalls deshalb, weil ein Gesetz seine Qualität und Menschlichkeit mehr noch als am sittlichen Anspruch in der täglichen Anwendung erweisen muß. Und da spricht die bisherige Erfahrung mit den Medizinern, die sich auf diesem Gebiet nur allzugern als Ideologen betätigen, eindeutig für die Selbstbestimmung der Frau.

H. Sch.