Durmersheim, Kreis Rastatt (Baden)

Einer für alle, alle für einen.“ Dieser fast vergessene Leitsatz der ehemals ländlichen Raiffeisenbanken hat in der badischen Gemeinde Durmersheim neues Gewicht bekommen. Seit dem 13. März pendeln unaufhörlich Einwohner der 9000 Köpfe zählenden Gemeinde in die Hautklinik Ludwigshafen-Oggersheim, um mit ihrem Blut einen schwerverletzten Mitbürger vor dem Tode zu retten. Der Arbeiter Alfred Martin (43), verheiratet und Vater zweier Kinder, hatte bei einem Arbeitsunfall in einer Kiesgrube durch schwere Stromverbrennungen erhebliche Verletzungen erlitten. „Der Blutverlust“, sagen die Ludwigshafener Ärzte, „war enorm“, doch mit Konservenblut war dem Verletzten nicht zu helfen. „Wir brauchen Frischblut“, hieß es aus Ludwigshafen in einem Hilferuf an die Heimatgemeinde.

Durmersheims Bürgermeister Heinrich Bauer hatte die rettende Idee. Er spekulierte auf die Neugier seiner Mitbürger und ließ pausenlos die Feuerwehrsirenen heulen. Die Rechnung ging auf. Noch am selben Tag startete ein DRK-Wagen mit Blaulicht und Martinshorn, eskortiert von der Polizei, nach Ludwigshafen. Und seitdem „rinnt“ der Frischblutstrom auf Abruf von Durmersheim nach Ludwigshafen.

Alfred Martin wird sich noch oft auf seine Mitbürger mit der seltenen Blutgruppe „0 rh negativ“ verlassen müssen. Denn vier Operationen (wenn es gut geht) sind noch nötig. Doch der Schwerverletzte kann auf seine Landsleute zählen. Bisher haben 25 Mitbürger ihr Blut gespendet, 17 weitere stehen auf einer Warteliste, auf Abruf bereit. Die Aktion „Frischblut für Bürger Martin“ hat jetzt auch auf die Nachbargemeinden übergegriffen. Aus Gaggenau im Murgtal melden sich Spender, von der Landesversicherungsanstalt Karlsruhe erklärten sich elf Mitarbeiter zur Blutspende bereit. Es können nicht genug sein, denn jede Stunde kann ein Anruf kommen: „Schickt Blutspender.“

Von den Kosten für diese Aktion spricht in Durmersheim niemand. DRK-Krankentransportleiter Georg Flade erklärte: „Die Kosten sind überhaupt nicht erwähnt worden. Es ist doch selbstverständlich, daß wir helfen.“ Alfred Martin wird noch Monate im Krankenhaus liegen; so lange, versichern die Durmersheimer, stehen wir zur Verfügung.“

Rainer Schauer

Redakteur des Badischen Tagbiatts