George Mikes sagt von den Italienern, sie seien, weil sie keine Bergwerke auszubeuten hätten, gezwungen, die Touristen auszubeuten. Die Halleiner haben ein Bergwerk, das sie ausbeuten, doch sie bringen das Kunststück fertig, in diesem Berg zur gleichen Zeit auch noch Touristen auszubeuten.

Irgendwann müssen die Leute vom Salzbergwerk Hallein an der Salzach in der Nähe Salzburgs draufgekommen sein, daß die antiquierten Transportmittel ihres Betriebes anderen Leuten so viel Spaß bereiten, daß sie bereit sind, cafür Geld auszugeben.

Dort drinnen, tief im Berg, kann man nämlich atemberaubend schnell Rutschbahn rutschen per Schmalspurbahn auf einem dicken Balken wie auf einem Pferd reitend, durch finster-schmale Stollen rattern und einen illuminierten Salzsee per Fähre überqueren.

Diese Lustexpedition ins Finstere dauert eine Stunde und erstreckt sich über vier Kilometer. Die Hälfte davon legt man auf den eigenen Beinen zurück. Schätzungsweise eintausendneunhundert Meter rumpelt besagte Bahn, fünfzig Meter schwimmt das Schiff und der Rest wild in sechs Etappen gerutscht, jeweils vierzig Meter tief. Dabei überquert man zweimal unterirdisch die deutsch-österreichische Grenze und „erfährt etliches über den Salzbergbau. Daß er schon recht alt ist (...schon die Kelten) und daß er recht pfiffig mit relativ wenig Mühe betrieben wird, vergleicht man ihn mit Kollegin Kohle.

So: Man bohrt und sprengt eine etwa fünfzehn Meter runde Höhle. Damit ist die Arbeit nahezu getan. Denn man läßt da einfach Wasser rein, bis an die Decke. Das im Gestein lagernde Salz löst sich auf, der unbrauchbare Rest fällt herab. Ist das Wasser zu 30 Prozent salzhaltig, läßt man es ab. Die Höhle ist inzwischen gewachsen. Trichterförmig nach oben. Neues Wasser, noch mehr Salz, noch mehr Höhle – und das so lange, daß das nächsthöhere Stockwerk nicht herunterfällt. Ungemein praktisch.

Das alles interessiert natürlich so gut wie niemanden. Die Leute wollen rutschen. Immer mehr Leute wollen rutschen. Inzwischen wollen so viele Leute rutschen, daß man aufhören sollte, in Hallein rutschen zu wollen.

Aber so ist das eben: Man erfährt, daß man sich in Hallein zum Rutschen sogar anstellt. Und wenn man sich heutigen Tags zu etwas anstellt, dann muß ja was dran sein. Und drum stellt man sich auch noch an.