J. Schw., Washington, im März

In den – wie alle zwei Jahre – aufs neue bevorstehenden deutsch-amerikanischen Verhandlungen um einen Devisenausgleich für die Kosten der in der Bundesrepublik stationierten 7. US-Armee werden sich die Forderungen Washingtons dieses mal um rund dreißig Prozent auf etwa drei Milliarden Dollar oder über 8,5 Milliarden Mark erhöhen. Die Abwertungen und die Umstellung Amerikas auf reine Berufsstreitkräfte haben die Kosten für die in Europa stehenden amerikanischen Verbände gesteigert.

Im auslaufenden Offset-Abkommen erstattete die Bundesrepublik durch Waffenkäufe, Kasernenrenovierungen, Kredite und andere Posten 6,6 Milliarden Mark an die USA. Über den im neuen Abkommen zu erstattenden Endbetrag wird die amerikanische Regierung wie stets mit sich reden lassen. In der Vergangenheit hat die Bundesrepublik im Durchschnitt achtzig Prozent der Devisenausgaben ausgeglichen, doch in diesem Jahr geht Washington auf einen möglichst hohen Posten an „hartem“ Devisenausgleich aus, der das amerikanische Budget direkt entlastet.

Andererseits ist die US-Regierung jetzt bereit, in das neue Offset-Abkommen das Prinzip der Multilateralisierung einzuführen und andere westeuropäische Nato-Mitglieder dazu heranzuziehen – wenn sich welche dazu bereitfinden. Dem liegt die längst überfällige Einsicht zugrunde, daß die Siebte Armee nicht nur die Bundesrepublik und amerikanische Sicherheitsinteressen verteidigt, sondern die ganze westeuropäische Nato-Mitgliedschaft.

In die Zeit der Verhandlungen mit Washington fällt ein neuer Vorstoß der demokratischen Senatsfraktion, die in Übersee – lies: Zentraleuropa – stationierten US-Streitkräfte in den kommenden achtzehn Monaten „erheblich“ zu vermindern. Präsident Nixon hat sich zwar sofort gegen diesen Antrag ausgesprochen, da er die westliche Position auf der Wiener Vorkonferenz über einen wechselseitigen ausgewogenen Truppenabzug mit den Warschauer Paktstaaten nur schwächen könnte. Aber die Stimmung für eine notfalls auch einseitige Verminderung der US-Truppen in Europa wird in Amerika mit dem Ende der Bindungen in Indochina stärker, nicht schwächer.

Wenn den Westeuropäern daran gelegen ist, die amerikanischen Streitkräfte in ihrer gegenwärtigen Stärke bis zum Abschluß einer vereinbarten Truppenverminderung von Ost und West in Mitteleuropa zu halten, täten sie gut daran, sie an eine goldene Kette zu legen.