Von Jürgen Becker Werner Höf er,

Ihr Metier ist es, Herr Höfer, anderen Leuten Fragen zu stellen. Jetzt, aus gegebenem Anlaß, werden Sie selber befragt. Schätzen Sie es, wenn man Sie befragt oder wenn man sich mit Ihrer Person beschäftigt?

Nach der Lebensregel, daß man das, was man anderen zufügt, selber auch ertragen muß, kann ich dieser freundlichen Zumutung selbstverständlich nicht ausweichen, wenngleich ich einräume, daß es um ein Vielfaches einfacher ist, andere zu befragen, als sich befragen zu lassen, zumal es – wie man weiß – keine indiskreten Fragen, sondern nur indiskrete Antworten gibt.

Sie sind vor 60 Jahren geboren worden, in Kaisersesch, im Kreise Cochem an der Mosel. Haben Sie ein Verhältnis zu dem, was man Heimat, Landschaft, Umgebung nennt?

Ich habe Erinnerungen, und ich habe Erfahrungen: Erinnerungen an eine Landschaft von freundlicher Melancholie, Maare, Steine, Wälder. Spät erst habe ich die Erfahrung gemacht, daß zwei in jedem Sinne lebenswichtige Stoffe dort gedeihen: eine populäre Art von Nahrungsmittel, Kartoffeln, und eine edle Art von Genußmittel, Wein. Heute bedeutet es mir etwas, zwischen Kartoffelfeldern, Weinstöcken und Lavageröll geboren zu sein.

Nach Ihren Studien, und dazu gehören Literatur- und Theaterwissenschaft, hätten Sie Ihren Weg im Bereich der Künste machen können. Ist Ihre Beziehung zum Mediuni, in dem Sie jetzt arbeiten, je eine ästhetische gewesen, geworden oder geblieben?

Ich wollte nicht zum Theater als Szene. Ich wollte keine Rolle spielen. Ich wollte Kritiker werden. Da war schon die journalistische Komponente im Spiel. Kritiker bin ich auch eine Zeitlang gewesen. Ich habe das kritische Geschäft in dem Augenblick aufgegeben, als – während des Krieges – die Theater geschlossen wurden. Nach dem Krieg habe ich die kritischen Gänge zunächst, aber nur für kurze Zeit wieder aufgenommen. Das Medium, mit dem ich jetzt zu tun habe, lernte ich zunächst publizistisch, dann politisch kennen, schätzen und handhaben. Aber im Gegensatz zu den meisten meiner jungen und jüngsten Mitarbeiter veranschlage ich die ästhetischen Elemente, die stilbildenden und stilerhaltenden, sehr hoch.