Die hübsche nackte Dame im Transeuropa-Katalog (S. 144) hat für die Veröffentlichung ihres nahtlos braunen Photos nachträglich ein paar Tausender eingestrichen. Vermutlich ist sie keine Person der Zeitgeschichte. Wie ich höre, haben sich daraufhin einige Herrschaften im Hintergrund des Nacktbadestrandes in der Unschärfe auch erkannt. Dies ist ein rechtes Kunststück. Der unvoreingenommene Voyeur hält schwerlich auseinander, ob sie in Ponchos gehüllt sind oder im Lichthemd wandeln. Die Herrschaften pochen jedenfalls aufs Recht am eigenen Bild, woraus man schließen kann, daß es sich ebenfalls nicht um Persönlichkeiten der Zeitgeschichte handelt. Was aber jenen recht ist, muß mir billig sein. Ich erkläre in aller Öffentlichkeit: Ich bin auch keine Person der Zeitgeschichte. Ich bin der Elefant im selben Katalog (S. 161), der zweite von rechts, der meistimponierende.

Freunde aus Deutschland haben mich erst darauf gebracht, sonst wäre mir die Verletzung meiner Privatsphäre und Elefantenwürde wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Mein Anwalt hat mir die Rechtssituation geschildert. Er meint, der Tatbestand sei eindeutig, ein Prozeß so gut wie schön gewonnen. Tatsächlich kann ja wohl auch niemand ernsthaft insinuieren, ein ostafrikanischer Elefant sei eine Person der Zeitgeschichte. Ich verwahre mich gegen diese Veröffentlichung meines Photos in einem Reiseprospekt mit Millionenauflage. Selbstverständlich ist mir schon schwerer Schaden entstanden.

Ich erinnere mich noch gut an den Photographen. Er näherte sich in einem Safariwagen, der ihn (ein Abkommen unserer Regierungen) vor meinen gelegentlichen Zornausbrüchen bewahrt, und tat so, als sei er ein harmloser, knipsender Tourist. Obwohl mir auffiel, daß er mit einem japanischen Weitwinkelobjektiv hantierte, hielt ich ihn für einen Amateur, der sich und seinen Freunden mit Urlaubsdias kurzweilige Abende bereitet. Als Elefant ist man es ja gewöhnt, ungefragt abgelichtet zu werden. Ich bin jedoch nicht gesonnen, mich für Werbezwecke mißbrauchen zu lassen. Der Photograph hielt es nicht für nötig, sich auch nur vorzustellen, geschweige denn, mir ein Honorar anzubieten.

Ich denke, daß ich zunächst eine einstweilige Verfügung gegen die weitere Prospektauslieferung erwirke. Kommt es zu keiner gütlichen Einigung, stampfe ich die Auflage ein.

In Ostafrika sieht man der Verhandlung mit Spannung entgegen. Interessierte Kreise in den Nationalparks messen dem Verfahren die hoffentlich weitreichende Bedeutung eines Musterprozesses bei. bo