DIE ZEIT

Frauenmehrheit

Der Beschluß der Bundestagsfraktionen von SPD und FDP, in einem gemeinsamen Gesetzentwurf zur Reform des Paragraphen 218 die sogenannte „Fristenlösung“ vorzuschlagen, sichert dem Unternehmen noch nicht die parlamentarische Mehrheit.

Paukenschlag nach langem Schweigen

Nun wird auch die SPD von Führungsproblemen heimgesucht. Brandts Donnerwort, er könne nicht die Verantwortung dafür tragen, wenn sich die SPD von ihrem Wahlprogramm entferne, und Wehners Erklärung, er wolle sein Amt als stellvertretender Parteivorsitzender abgegeben, haben Freund und Feind aufgeschreckt.

Moloch auf Rädern

Ein Spectaculum ist still über die Bühne gegangen: Der Bundestag hat den Gesetzentwurf über die Einführung der 0,8-Promille-Grenze für Autofahrer in erster Lesung ohne Diskussion an seine Fachausschüsse überwiesen.

Hokuspokus

Ist das Verhältnis des Kreml zur Wahrheit – oder nur zur Prawda gestört? Das fragen sich Italiens Kommunisten, deren Parteichef Berlinguer sich letzte Woche in Moskau einen zweieinhalbstündigen, improvisierten Monolog Breschnjews anhörte, ohne einen Einwand gegen die eigenwillige KPI-Linie zu vernehmen.

Der Draht funktionierte

Vielleicht, ist es ein Zufall: In derselben Woche, in der das amerikanische Vietnamkorps sich auflöste und offiziell von Saigon Abschied nahm, hat sich Washington zum erstenmal seit längerer Zeit gegenüber den Europäern wieder kooperativ gezeigt; es wird sich in Zukunft, wenn nötig, an der Verteidigung des Dollars beteiligen.

Bundesgrenzschutz,: Genschers Truppe in der Schußlinie

In Moskau suchen sie nach Abhör-„Wanzen“, in Brasilia hüten sie die deutsche Botschaft, in Kairo filzen sie in Lufthansa-Uniform Fluggepäck und Passagiere, auf deutschen Flughäfen kramen sie in den Reisetaschen der Fluggäste, an den Grenzübergängen in Süd, West und Nord kontrollieren sie Ausweise, an der deutschen Grenze Ost stapfen sie mit geschultertem Karabiner die 1400 Kilometer lange Demarkationslinie entlang, nur selten besondere Vorkommnisse beobachtend.

Zeitspiegel

Wo immer es geht, behaupten die DDR-Korrespondenten in Bonn ihr eigenes Staatsangehörigkeitsempfinden. So hat der Korrespondent Götze seine Staatsangehörigkeit beim Bonner Einwohnermeldeamt mit „DDR“ angegeben.

Im letzten Sommer trat das Berlin-Abkommen in Kraft. Seitdem ist es ruhig geworden um die Stadt. In steigendem Maße jedoch werden die Berliner unruhig: Soll Westberlin im Brackwasser der Geschichte verkommen – oder findet es eine neue Rolle?: Weltstadt im Hinterhof?

Nirgends ist der Vorfrühling so schön wie in Berlin. Der Himmel ist makellos blau, das Licht glasklar, die Luft frisch. In den Vorgärten von Dahlem und Grunewald spielen die Kinder Ball, und auf dem Rasen, zu Füßen der sonnenbeschienenen Kiefern, hüpfen dicke schwarze Amseln hin und her.

Wachwechsel in der SPD-Spitze: Kühn: Für kreativen Knirscheffekt

Hätte er Sinn für Rheinromantik, so brauchte er nur den Kopf zu heben, um aus seinem Düsseldorfer Dachgeschoß auf den Strom zu blicken, den der größte Sohn dieser Stadt noch guten Gewissens als „ruhig fließend“ besingen konnte, bevor der Fluß sich als eine „europäische Kloake“ denunzieren lassen mußte.

Gruppenbildungen in der SPD: In lockerer Schlachtordnung

Selten ist es so schwierig gewesen, über Verlauf und Ergebnisse eines sozialdemokratischen Bundesparteitags Prognosen zu stellen wie vor dem Treffen in Hannover, das die ganze zweite Aprilwoche ausfüllen wird.

Wolf gang Ebert: Rauchzeichen

Der Kanzler ist keiner, der sich blauen Dunst vormachen läßt. Wo in Bonn viel Rauch ist, da ist vielleicht ein Feuer, aber kein Brandt.

US-Truppen in Europa: Goldene Kette

In den – wie alle zwei Jahre – aufs neue bevorstehenden deutsch-amerikanischen Verhandlungen um einen Devisenausgleich für die Kosten der in der Bundesrepublik stationierten 7.

Sehnsucht nach Westminster

Der ehrwürdige Lord Gladwyn beging eine Ungeheuerlichkeit. Nachdem das Plenum des Europäischen Parlaments geraume Zeit über den Text einer Nahost-Resolution debattiert hatte, erhob sich der Abgeordnete der britischen Liberalen und erklärte: „Ich sehe überhaupt keinen Sinn in der Verabschiedung dieser Entschließung.

Grundvertrag: Ost-Berliner Protestpoker

Mit ihrer strikten Weigerung, über die Einbeziehung West-Berlins in den Sportverkehr zwischen beiden deutschen Staaten auch nur zu sprechen, haben sich die Sportfunktionäre der DDR eindeutig in Widerspruch zum Grundvertrag gesetzt.

Dokumente der ZEIT: Brandt – Glaubwürdig bleiben

Es komme auf diesem Parteitag (Mitte April in Hannover) nach dem größten Wahlerfolg in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie darauf an, daß die Partei in ihrer Glaubwürdigkeit nicht Schaden leidet, sondern in dieser Glaubwürdigkeit bestätigt wird .

Moslems wollen mehr Rechte

Philippinische Regierungstruppen sollen nach amtlicher Mitteilung einen Aufstand niedergeschlagen haben, der Anfang März begonnen hatte, aber auf schon lange vorher gärende Unruhe zurückzuführen war.

Neue Wege in der Nordirland-Politik

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat die britische Regierung in dieser Woche versucht, eine neue Nordirland-Politik einzuleiten: Die Veröffentlichung des programmatischen Weißbuches am Dienstag in London sollte nicht von Bombenanschlägen begleitet werden wie das Nordirland-Referendum am 8.

Aktuelle Krisenherde

Kambodscha steht unter Kriegsrecht, seit der Schwiegersohn des früheren Staatschefs Sihanouk am Samstag mit einem entführten Flugzeug der Regierungstruppen zwei Bomben auf den Regierungspalast des Presidenten Lon Nol in Pnom Penh abgeworfen hat.

Presse-Erlaß flexibel?

Die Kritik am sogenannten „Maulkorb“-Erlaß für die Tätigkeit ausländischer Journalisten in der DDR hat die Ostberliner Regierung zumindest zu verbalem Entgegenkommen veranlaßt.

Christliche Demokraten: Helmut Kohl mahnt

Auf die „Spuren von Weimar“ verwies warnend der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut Kohl auf dem Bezirksparteitag der CDU Nordwürttembergs am Samstag in Göppingen: die erste Republik sei am kaltherzigen Freund-Feind-Verhältnis zugrunde gegangen.

Nach der Krise: Freie Wechselkurse

Mit der Wiedereröffnung der europäischen Devisenbörsen am Montag auf der Grundlage freier Wechselkurse zum Dollar („Floating“) endete nach 29 Jahren die Weltwährungsordnung von Bretton Woods.

Kleiner König - ganz groß

Der König sieht den Reisenden an. Er lächelt, will überzeugen: Mit mir, der Majestät, fliegst du sicher. Im Flughafengebäude von Amman lächelt der König von überallher.

Panama-Streit: Kein 51. Stern auf der US-Flagge

Für starke Worte ist Panamas Staatschef Omar Torrijos berühmt. Auch in der vergangenen Woche enttäuschte er seine Anhänger nicht: „Nach 71 Jahren der Erniedrigung und der Beherrschung des Schwachen durch den Starken hat unser Volk nun die Grenzen seiner Geduld erreicht.

Infiltration nach Südvietnam: Noch eine Offensive?

Was Washington wochenlang nicht wahrhaben wollte, läßt sich länger nicht verschweigen: Nordvietnamesische Truppen in beträchtlicher Stärke und mit schwerem Kriegsmaterial befinden sich wieder einmal auf dem Infiltrationsmarsch gen Süden.

Rundfunkstreit: Noch lange in der Zwickmühle

Der Rundfunkstreit in Bayern ist beigelegt – doch eine Lösung des Problems ist bislang nicht in Sicht. Nachdem es einer Minderheit politisch interessierter Bürger gelungen war, die Bestrebungen einer Partei mit absoluter Parlamentsmehrheit nach Installierung kommerzieller Rundfunksender zu durchkreuzen, ist die Ausgangslage rechtlich und formell so schwierig, daß niemand so recht weiß, was nun zu tun ist.

Lokalzeit: Frischblut für Bürger Martin

Einer für alle, alle für einen.“ Dieser fast vergessene Leitsatz der ehemals ländlichen Raiffeisenbanken hat in der badischen Gemeinde Durmersheim neues Gewicht bekommen.

Wohin mit den Obdachlosen?

Als die Kotbrühe unter die Betten schwappte, hatte die Innere Mission die Nase voll. Sie teilte mit, das Übernachtungsheim, Bahnhofsbunker genannt, werde zum 31.

Stadtgrenzen: Manchen „jammert’s“

Die Würfel sind gefallen, und sie fielen gegen den Innenminister Willi Weyer (FDP). Den entscheidenden Wurf führte der Chef der Staatskanzlei aus, Minister Professor Friedrich Halstenberg (SPD), Leiter der Landesplanung.

Seelsorge: Immer wieder Ärger mit dem Pastor

Ein Hirte von rund 2500 Seelen ist zum schwarzen Schaf geworden. Den Mitgliedern des Kirchspiels Breitenfelde im schleswigholsteinischen Lauenburg ist es jedenfalls bitterer Ernst, wenn sie fordern, daß der Gemeindepastor Martin Kurowski woanders sein Heil suchen soll.

Kraftwerk an der Ruhr: Planung mit Pannen

Planung ist, wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, und sich beide wohl dabei fühlen." Diesen Stoßseufzer eines Praktikers belegt erneut das Projekt der "Kommunalen Elektrizitätswerk Mark AG" in Hagen, kurz Elektromark genannt.

Finanzausgleich: Streit um Steuern

Finanzen sind die „Lebensnerven des Staates“ (Cicero). Darum bestimmen und begrenzen Finanzordnung und Haushalt den Umfang staatlicher Tätigkeit.

Vorläufer der CSU: Zentrum der Zylinderbauern

Das Interesse der historischen Forschung an der Parteiengeschichte der Weimarer Republik ist – auch wenn sich Gründe und Aspekte in den letzten Jahren zum Teil verändert haben – unvermindert groß.

Kommunismus in der Bundesrepublik: Vorbild DDR

Der sogenannte demokratische Sozialismus“ – und das heißt für die Bundesrepublik die Sozialdemokratie – ist gemäß These 40 des Düsseldorfer Parteitags der „Deutschen Kommunistischen Partei“ (DKP) von 1971 „Bestandteil imperialistischer Ideologie und Politik“.

Hitler in Schilda

Adolf Hitler, käme er heute, vierundachtzigjährig, nach München, dürfte eines gewiß nicht: nämlich im Cuvillies-Theater aus seinem Erfolgsbuch „Mein Kampf“ vorlesen.

Zeitmosaik

Die saarländische Stadt Neheim-Hüsten und ihr Kulturdezernent Dr. Hartwig Kleinholz beweisen, daß kulturelle Aktivität nicht von der Größe der Stadt abhängen muß.

Filmtips

„Harlis“ von Robert Van Ackeren. „Der große Diktator“ von Charles Chaplin. „T-WOMEN“ von Werner Nekes (siehe Seite 20). „Die Dreigroschenoper“ von Georg Wilhelm Pabst.

Film: „T-WO-MEN“ von Werner Nekes: Eine Fuge über das Sehen

Die Provokation klappt immer noch: Bei Vorführungen der Filme von Werner Nekes, selbst auf Festivals, knallen Türen und regt sich Protest; die Herausforderung auf der Leinwand, ungewohnt und unbequem, ruft Äußerungen von Ärger, Verblüffung, Aversion und Aggression hervor, die viel über die üblichen Erwartungshaltungen und Seh-Rituale im Kino verraten könnten.

Argumente für und gegen: Motorradfahren

Ich fahre sehr gern Motorrad. Es ist wahrhaftig ein Sport; nicht ungefährlich, aber lustig. Für eine Urlaubsreise jedoch kann ich das Motorrad nur Masochisten empfehlen.

Kunstkalender

Das rotierende Straßenobjekt von Peter Brüning im Treppenhaus könnte vermuten lassen, es handle sich um eine Kunstschau, um die Darbietung von Bildern und Objekten, mit denen sich Künstler zum Thema „Die Straße“ äußern.

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