Für starke Worte ist Panamas Staatschef Omar Torrijos berühmt. Auch in der vergangenen Woche enttäuschte er seine Anhänger nicht: „Nach 71 Jahren der Erniedrigung und der Beherrschung des Schwachen durch den Starken hat unser Volk nun die Grenzen seiner Geduld erreicht. Wir werden die Herrschaft eines Fremden auf unserem Boden nicht länger ertragen. Panama will kein Bundesstaat, keine Kolonie, kein Protektorat, kein 51. Stern in der Flagge der Vereinigten Staaten sein.“

Washingtons Befürchtungen wurden Wirklichkeit: Panama forderte nicht nur die unverzügliche Übernahme aller Rechte am Kanal und in der Kanalzone. Mit seiner Forderung funktionierte es die Tagung des UN-Sicherheitsrates in Panama-City zum Tribunal gegen den Nachbarn im Norden um.

Der Sicherheitsrat hatte sich gegen den Willen Washingtons dafür entschieden, seine diesjährige Auslandstagung nach Panama zu verlegen. Aus dem Staat, der sich 1903 mit Hilfe amerikanischer Kanonenboote von Kolumbien lossagte und zehn Jahre später für den Spottpreis von zehn Millionen Dollar die Kanalzone an die Vereinigten Staaten abtrat, ist ein erbitterter Gegner Washingtons geworden. Mit einigem Recht – denn Washington hat mit allen Mitteln einschließlich der Waffengewalt dieses wichtige und lukrative Relikt der big-stick-Epoche verteidigt.

Unter dem harmlosen Sitzungsmotto „Bewahrung des Friedens in Lateinamerika“ mußten sich die Vereinigten Staaten vor dem Weltsicherheitsrat als Hauptfriedensstörer, Imperialisten und koloniale Ausbeuter attackieren lassen. Um Panama fand sich ein Block antiamerikanischer Staaten zusammen: Chile, Peru, Ekuador, Costa Rica, Kuba. Die Zeiten, da die Vereinigten Staaten ihres dominierenden Einflusses auf die Vereinten Nationen sicher sein konnten, sind vorbei.

Alarmierender noch müßte für Washington freilich eine andere Einsicht sein. In den Verhandlungen haben die amerikanischen Unterhändler Panama angeboten, neben einer Erhöhung der Pachtgebühr (von 1,9 Millionen auf 25 Millionen Dollar jährlich) auch einen festen Termin für die Übergabe der Kanalzone zu vereinbaren. Doch 25 oder 30 Jahre sind Zeiträume, die diesen Ländern untragbar scheinen.

Heute ist Panama – neben Kuba – der Prüfstein, an dem sich für die meisten lateinamerikanischen Staaten zeigen wird, wie ernst es Amerika mit seiner Entspannungspolitik auch in diesem Teil der Welt meint. H. B.