Von Kai Krüger

Mehr Urwald in Deutschland: Das ist kein Witz, sondern ein Beschluß, den das Filbinger-Kabinett in Baden-Württemberg kürzlich faßte. Die heimischen Dschungel sollen, so die Landesregierung in Stuttgart, der Sicherung des Naturhaushaltes, der Erhaltung des Landschaftsbildes und dem Schutz-ausreichenden Lebensraumes für Tier und Pflanze dienen. Schon heute, gibt es in Schwarz- und Odenwald, in der Rhein-Ebene, am Alpenrand und auf der Alb insgesamt 1500 Hektar undurchdringlichen, sich selbst überlassenen Waldes.

Im benachbarten Bayerischen Wald hingegen, auch links vom Rhein an der Saar wuchert wie in den westlichen und nördlichen Wäldern einstweilen nur der Müll. Wo die Schwaben und Badenser jetzt mehr denn je echte Natur genießen wollen, liefern sich die restlichen Deutschen vorerst noch heftige Kämpfe mit ihren Förstern.

So werden in Bayern wilde Müllkippen mit Geldstrafen bis zu 10 000 Mark geahndet, und schon ein Plastikbeutel voll Müll in der Landschaft kostet seinen vergeßlichen Besitzer 150 Mark, falls der Forstmann ihn erwischt.

Der saarländische Städte- und Gemeindetag hat trotz zweimaligen Mißerfolgs seine dritte Aktion „Sauberer Wald“ gestartet und gab dazu bekannt: „Unbeeindruckt von Appellen entledigen sich Unverbesserliche aus eingefleischter Gewohnheit, Faulheit und auch aus Vorsatz ihres Unrates weiterhin in Wald und Flur. In Zukunft soll das Feld- und Forstschutz-Personal einschreiten.“

Doch nicht nur böse Buben bedienen sich der Natur, um ihren Dreck loszuwerden. Es gibt keine Stadt, kein Dorf in Deutschland, wo nicht am Rande eine Kippe raucht, Gestank die Luft verpestet und Ratten ihre Rohkost finden, gesegnet vom Gemeinderat. Die letzte veröffentlichte Statistik weist aus, daß jeder zweite Mülleimer in diesem Land völlig legal in die Landschaft entleert wird, auf zwar sanktionierte, aber unzureichende Müllkippen. Das dritte Viertel landet wild im Wald, und nur das vierte Abfallviertel wird bislang sachgemäß beseitigt.

Diese sachgemäße Beseitigung besteht in den weitaus meisten Fällen wiederum darin, den Müll in der weiten Flur zu stapeln, jedoch mit System: Erdbewegungsmaschinen verdichten den eintreffenden Müll und scharren jeden Abend Erde über die Anlandungen vom Tage, um das Ungeziefer fernzuhalten. Eine solche Sandwich-Kippe führt den salonfähigen Namen „geordnete Deponie“. Dank der Erdschichten schwelen und stinken sie nicht, und Standort oder Kläranlagen sollen im übrigen dafür sorgen, daß sie mit ihrem Sickerwasser nicht wertvolles Grundwasser verseuchen können. Die Ordnung in dergleichen Deponien ist teilweise schon recht hoch entwickelt. So wird beispielsweise eine Deponie im Ruhrgebiet gelobt, die Tag für Tag 2200 Tonnen Müll verkraftet und darin, ebenfalls Tag für Tag, bis zu 500 alte Autoreifen halb so raumaufwendig unterbringt wie anderswo: Die Reifen werden von Hand auf dem Müll ausgebreitet und die Zwischenräume mit Minimüll ausgelegt.