Jordanien: in den Feuern von Kriegen und Krisen gehärtet

Von Dietrich Strothmann

Amman, im März

Der König sieht den Reisenden an. Er lächelt, will überzeugen: Mit mir, der Majestät, fliegst du sicher. Im Flughafengebäude von Amman lächelt der König von überallher. Sein Farbphoto hängt an allen Wänden rings um die kunstledernen Wartebänke. Es zeigt Hussein als Piloten im Cockpit seiner königlichen Caravelle. Der Monarch als sein eigener Kapitän – er strahlt Sicherheit aus, Können, Erfahrung. Fliegen jedenfalls kann Hussein, Jordaniens 38jähriger Regent. Auch nach Washington, zu seinem jüngsten Besuch bei Nixon Anfang Februar, steuerte er den schweren Düsenklipper höchstpersönlich. Neben ihm saß seine neue, seine dritte Frau Alia, geborene Toukan, mit der er anschließend die Flitterwochen in Florida verbrachte.

Noch immer liebt Hussein das Abenteuer, auch die Gefahr. Riskant ist es, sich so nebenbei selber ans Steuer der Caravelle zu setzen. Riskant war es auch, eine Stewardeß zu heiraten, noch dazu Mitglied einer alten und angesehenen palästinensischen Familie, die bei den Beduinen, Husseins Hausmacht und Jordaniens Stammbevölkerung, nicht gerade hoch im Kurs steht. Die Mutter des Monarchen, die in der ersten Zeit der Regentschaft des damals erst 16 Jahre alten Königs die Geschäfte im Palast führte und noch später als Ratgeberin im Hintergrund zu dirigieren verstand, war über das Ehebündnis vom letzten Heiligabend sicher ebenso ungehalten wie die Wüstenscheichs. Und die ganze Zeitungsseite in der Londoner Times (vom 13. Februar), auf der Alias neue Kleider aus dem Haus Christian Dior abgebildet und in allen Details beschrieben wurden, werden gewiß auch nicht gerade die über Husseins Husarenritte aufgebrachten Gemüter besänftigt haben.

Der König aber, der früher achtgeben mußte auf familiäre und öffentliche Zurechtweisungen, schert sich heute, nach zwanzig Jahren heil überstandener Regentschaft, nicht mehr um Kritik und Vorhaltungen. Heute genießt er es geradezu, gefährlich zu leben.

Hussein, dessen Großvater in Jerusalem vor seinen Augen erschossen wurde, dessen Vater in geistiger Umnachtung verdämmerte, auf den mehr Anschläge verübt wurden als auf jeden anderen arabischen Staatsmann (Experten zählten bisher zwanzig Mordversuche), der sich zuletzt gegen seine Fatah-Rivalen in einem blutigen Bürgerkrieg und gegen die Blockade-Politik seiner radikal-sozialistischen Nachbarn erfolgreich zur Wehr setzte – Hussein ist eine Persönlichkeit in der arabischen Führergarde und eine Hauptfigur auf der politischen Bühne des Nahost-Konflikts. Die Israelis achten ihn, die Amerikaner setzen auf ihn, die Ägypter, Syrer und Libyer rechnen mit ihm. Hussein heute ist ein kleiner König, ganz groß.