Neu in Museen und Galerien:

Düsseldorf: Bis zum 22. April, Städtische Kunsthalle: „Die Straße – Form des Zusammenlebens“

Das rotierende Straßenobjekt von Peter Brüning im Treppenhaus könnte vermuten lassen, es handle sich um eine Kunstschau, um die Darbietung von Bildern und Objekten, mit denen sich Künstler zum Thema „Die Straße“ äußern. Aber Brünings Arbeit ist der einzige Beitrag eines Künstlers zu dieser Photodokumentation, die Düsseldorf vom Eindhovener Van Abbe Museum übernommen hat. Gehören solche Veranstaltungen in die Kompetenz von Museen und Kunstallen? Jean Leerings Antwort: die Aktivitäten eines Museums könnten „ein Mittel sein, sein Publikum für die Bewußtwerdung und Teilnahme an wichtigen gesellschaftlichen Vorgängen besser auszurüsten“. Dabei ist es offenbar gleichgültig, ob diese Ausrüstung von Künstlern oder Soziologen oder Bildberichtern geleistet wird. Und gerade mit solchen außerkünstlerischen Aktivitäten glauben manche Museen und Kunsthallen, sich ein progressives Image zu verschaffen. Die niederländische Straßenphotoschau ist unter zwei Aspekten konzipiert, die sich ständig in die Quere kommen und den Besucher irritieren: einem phänomenologischen und einem sozialkritischen. Einmal wird an heterogenen, krassen, schockierenden und auch entschieden eindrucksstarken Beispielen gezeigt, was alles und überall in der Welt auf der Straße passiert. Indische Bettler, die auf der Straße krepieren, Pilger auf der Straße in Mekka, Straßen im Negerkral, Straßendemonstrationen, Straßenmärkte und Straßenmädchen. Die Straße als Aktionsterrain, im Präsens und in der Vergangenheit: der Januaraufstand 1905 in St. Petersburg, Lenin auf dem Roten Platz. Alsdann der kritische Aspekt: der Mensch braucht eine andere Straße, eine bessere, nicht vom Auto, vom Konsum, von der Monotonie okkupierte Straße. Durch zahllose und beliebig vermehrbare Ansichten der überfüllten und zugleich verödeten Straße soll das Gegenbild einer kommunikations- und menschenfreundlichen Zukunftsstraße suggeriert werden. Qualitative Veränderung der Straße im Sinne urbaner Vielfalt forderte der Mann, der die Straßenschau eröffnete, der von Amts wegen damit befaßt ist: nicht der Verkehrsminister, sondern der Minister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau Hans-Jochen Vogel.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden: Bis zum 22. April, Staatliche Kunsthalle: „14 mal 14“

In der Frühjahrsschau der Avantgarde werden diesmal auch ausländische Künstler gezeigt. In der ersten Gruppe (bis zum 25. 3.) neben den Berliner Künstlern Schönbeck, Dennig und Hödicke zwei Künstler aus Amsterdam: d’Armagnac und Dekker. Danach (bis zum 8. April) sieht man Kiefer, Brus, Schanz, Stoll und den Pariser Boltanski (mit autobiographischen Arbeiten).