Nur Staatshilfe kann die Motorradfirma BSA noch vor dem Bankrott retten

Mehrere Millionen Pfund“ will die britische Regierung zur Rettung der Birmingham Small Arms (BSA) aufwenden. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche von sich reden gemacht, als der Kurs seiner Aktien an einem einzigen Tag von 19 auf 4 Pence abrutschte und so der Börsenwert der Gesellschaft um zwei Millionen Pfund (rund 14 Millionen Mark) fiel. BSA, einst weltberühmt für seine Motorräder, zeigte sich in den vergangenen Jahren der japanischen Konkurrenz der Honda, Suzuki und Yamaha nicht mehr gewachsen.

Auf eigenen Füßen kann das britische Traditionsunternehmen (Motorradmarken: Triumph und Trident) nicht mehr stehen. Also knüpfte die Regierung an ihren Sanierungsvorschlag, dessen Details noch nicht bekannt sind, die Bedingung, die gesamte britische Motorradproduktion müsse unter einem Dach zusammengefaßt werden: Die Manganese Bronze Holding, Muttergesellschaft des anderen in aller Welt bekannten Motorradbauers Norton-Villiers, soll die marode BSA übernehmen.

Grund für den plötzlichen Zusammenbruch der BSA-Kurse an der Londoner Stock Exchange waren Insidergeschäfte. Schon seit Monaten verhandelte BSA mit der Regierung über eine direkte öffentliche Finanzspritze. Gerüchte über das Scheitern dieser Verhandlungen sorgten dann am Mittwoch für hektische Verkäufe. „Wenn Peter Walker (der Handels- und Industrieminister) noch irgend eines Beweises bedurft hätte, daß eine Gesetzgebung zur Bekämpfung der Insidergeschäfte notwendig ist“, meinte der Guardian, „der Fall BSA liefert ihn.“

Für den Zusammenbruch darf man allerdings nicht nur die bösen Spekulanten verantwortlich machen. Seit mindestens zwei Jahren schon befindet sich BSA in einer Krise. Im Geschäftsjahr 1968/69 begannen die Gewinne zu schrumpfen, und 1970/71 war das Unternehmen endgültig in der Verlustzone gelandet. Allein im ersten Halbjahr 1972 mußte die Motorradabteilung, die für 70 Prozent des Umsatzes verantwortlich ist, drei Millionen Pfund (rund 21 Millionen Mark) Verlust verbuchen.

Dies ist eigentlich erstaunlich, erlebt doch der internationale Motorradmarkt zur Zeit einen noch nie dagewesenen Boom. Die jungen Leute, angeregt durch den amerikanischen Film „Easy Rider“, sattelten vom Fahrrad aufs Motorrad um. Doch haben es die BSA-Manager nicht verstanden, sich ihren Anteil am Boom zu sichern. 90 Prozent ihrer Produktion geht ins Ausland, vor allem in die USA – und gerade dort spüren sie die Konkurrenz der Japaner am stärksten. Als die Asiaten gar in den Bereich der schweren Maschinen mit Erfolg eindrangen, wurde der bis dahin unerschütterliche Glaube der Briten, auf diesem Sektor seien sie nicht zu übertreffen, schwer angeschlagen.

Selbst auf dem einheimischen Markt spürt BSA die japanische Konkurrenz. So werden bereits drei Viertel aller in Großbritannien verkauften Motorräder importiert. Allein Honda hält 50 Prozent am britischen Markt, während die „Triumph“ von BSA nur auf 15 Prozent kommt. Noch 1970 versuchten die Birminghamer, mit einer Palette von 13 neuen Modellen (von 250 bis 750 Kubikzentimeter) den Ansturm der Japaner zu stoppen. Doch der Versuch schlug fehl: Schwierigkeiten bei der Zulieferung von Einzelteilen, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und rund 800 Korrekturen an den Modellen verzögerten die Auslieferung und erschütterten das Vertrauen der Kundschaft. Die Händler blieben auf den Wundermaschinen sitzen, und BSA mußte ihnen finanziell unter die Arme greifen, um von den Lagerbeständen loszukommen.