Philippinische Regierungstruppen sollen nach amtlicher Mitteilung einen Aufstand niedergeschlagen haben, der Anfang März begonnen hatte, aber auf schon lange vorher gärende Unruhe zurückzuführen war. Die verbotene maoistische „Neue Volksarmee“ in Nord-Luzon, so hieß es, hatte sich mit mohammedanischen Sezessionisten im Süden zu einer Rebellion auf Mindanao vereinigt.

Diese Verbündeten verfolgen sehr unterschiedliche Ziele. Die Kommunisten wollen die Gesellschaft verändern; die Moslems wollen mehr Rechte. Die Kommunisten, Nachfolger der einstigen Widerstandsbewegung der Hukbalahups („Huks“) versuchen, die Zentralmacht auf dem Umweg über Volksgruppeninteressen zu schwächen. Die Moslems, dreieinhalb Millionen unter einer Gesamtbevölkerung von knapp vierzig Millionen, sehen Trennung nur als ultima ratio.

Separatistische Tendenzen sind aber vorhanden und werden nach Berichten aus Manila von malaysischer Seite, also von auswärtigen religiösen Sympathisanten, gefördert.

Die islamischen Filipinos beklagen, daß sie in der Regierung des katholischen Staates nicht vertreten und auch in den Streitkräften nicht repräsentiert sind; statt dessen werde aber Mindanao, vor allem in den ländlichen Siedlungsgebieten, von zuwandernden Christen mehr und mehr überfremdet. Vor fünfzig Jahren sei das Zahlenverhältnis von Moslems zu Christen hier 2:1 gewesen, jetzt liege es bei 2:3.

Auf den Philippinen gärt es seit langem. 1970 und 1971 gab es explosive Haßausbrüche zwischen den Religionen. Zusätzlichen Zündstoff brachte die gesamtphilippinische Verordnung des Staatspräsidenten Ferdinand Marcos, nach der alle privaten Waffen abgeliefert werden müssen. Im Süden sieht man darin eine Existenzbedrohung.

Präsident Marcos muß sich entscheiden, ob er nur die Unruhen bekämpfen oder auch ihre Ursachen beseitigen will. Das letztere ist nur durch stärkere Integration der Moslemminderheit zu erreichen. Der Diktator brauchte auf Interessengruppen in dem sozial spannungsreichen Land der 7000 Inseln keine Rücksicht zu nehmen.