Von Horst Bieber

Wetter/Ruhr

Planung ist, wenn die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut, und sich beide wohl dabei fühlen." Diesen Stoßseufzer eines Praktikers belegt erneut das Projekt der "Kommunalen Elektrizitätswerk Mark AG" in Hagen, kurz Elektromark genannt. Sie will auf dem Gelände des schon bestehenden Cunowerkes in Herdecke/Ruhr ein neues Kraftwerk errichten, das mit einer Leistung von mehr als 600 Mega-Watt für die Versorgung einer Zweieinhalb-Millionen-Stadt ausreichend wäre.

Herdecke liegt an der Ruhr, die sich etwas unterhalb, bei Wetter, zum Harkortsee aufstaut. Herdecke liegt weiter an einem der wenigen grünen und schönen Teile der Ruhr, dessen landschaftliche Qualitäten die Landesregierung bewogen haben, im sogenannten Nordrhein-Westfalen-Programm 1975 diesen Abschnitt als "Tageserholungsstätte und Freizeitbereich Harkortsee" auszubauen. Im Vertrauen auf diesen Planungsbeschluß hat die Stadt Wetter am linken Ruhrufer ein Gebietsteil an die Stadt Hagen abgetreten, haben die Gemeinden Wetter, Hagen und Herdecke mit dem Bau eines Freizeitzentrums begonnen.

Doch Plänen sollte man nicht trauen. Denn am 14. Juni 1972 wurde, gemäß Landesplanungsgesetz, der für das neue Kraftwerk vorgesehene Bereich im Flächennutzungsplan als gewerbliche Baufläche ausgewiesen und genehmigt. Und so ist die mehr traurige als kuriose Situation entstanden, daß auf dem linken Ufer der Ruhr ein Freizeitzentrum entsteht, und auf dem rechten ein Kraftwerk gebaut wird.

Und dieses Kraftwerk wird nicht zu übersehen sein. Ein 220 Meter hoher Schornstein soll die Abgase noch gut 100 Meter über die Ruhrhöhen bei Herdecke hinausführen. Für das Kesselhaus sind in den Antragsunterlagen 56 Meter Höhe angegeben; den optischen Schwerpunkt wird freilich der Kühlturm setzen – 120 Meter hoch, etwa 85 Meter Durchmesser. 12 000 Liter Wasserdampf pro Minute wird er ausstoßen – mehr verdunstet der ganze See nicht.

So ganz wohl scheint der Elektromark bei ihrem Vorhaben nicht gewesen zu sein. Das Vorhaben wurde – unter Enthaltung der allerdings viel zu kurzen gesetzlichen Einspruchsfristen – bis zum letzten Moment verschwiegen. Dem dann einsetzenden Sturm in der Öffentlichkeit begegnete das Werk wenig geschickt. "Aufwiegeln" und "Panikmache" nannte der Pressesprecher die Befürchtungen und Anklagen der empörten Bürger – unverantwortliche Praktiken, "zumal hier unter dem Schlagwort ‚Umweltschutz‘ letztlich relativ wenige Bewohner eines Wohngebietes in Herdecke ureigene Besitzinteressen wahren möchten". Die Bewohner sehen es freilich anders. Sie wollen sich nur, wie es der zuständige NRW-Minister in einem Runderlaß formulierte, "im Zuge der fortschreitenden Demokratisierung der Planung am Planungsprozeß wesentlich stärker als früher" beteiligen und engagieren.