Die Kritik am sogenannten „Maulkorb“-Erlaß für die Tätigkeit ausländischer Journalisten in der DDR hat die Ostberliner Regierung zumindest zu verbalem Entgegenkommen veranlaßt. Zugleich blieb das erste innerdeutsche Sportgespräch nach Unterzeichnung des Grundvertrages ergebnislos, weil über den Status von Westberliner Sportlern keine Einigung zu erreichen war.

– Zur künftigen Arbeit von westdeutschen Journalisten in Mitteldeutschland versicherte der stellvertretende Leiter des Bereichs Presse und Information im Ostberliner Außenministerium, Meyer, die Praxis der DDR werde „souverän und nicht kleinkariert“ sein.

Die westdeutsche Kritik am Journalistenerlaß rügt vor allem den Passus, der Korrespondent dürfe keine „böswillige Verfälschung von Tatsachen zulassen“. Dies kann so ausgelegt werden, daß der Korrespondent für Meinungsäußerungen seiner Heimatredaktion verantwortlich gemacht wird.

Meyer äußerte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press, bei der Anwendung der Verordnung wolle die DDR die unterschiedlichen Standpunkte zum Inhalt des Begriffs Pressefreiheit weitgehend berücksichtigen. „Wir wollen dem bürgerlichen Korrespondenten nicht seinen bürgerlichen Klassenstandpunkt nehmen“, sagte er. Er räumte ein, daß die im Erlaß verwendeten Begriffe wie „Verleumdungen“, „Diffamierungen“ und „sachbezogen“ gegenüber dem Auftrag „kritischer“ Berichterstattung schwer abzugrenzen seien.

Die Bundesregierung sieht die Handhabung der Verordnung als eine Art Prüfstein für das künftige innerdeutsche Verhältnis an. Die DDR könne daran zeigen, ob sie gute oder schlechte Beziehungen haben wolle, erklärte Regierungssprecher von Wechmar in der Fragestunde des Bundestages. Die Verordnung, so sagte er, reglementiere die Berichterstattung in einer Weise, die dem Verständnis der Bundesrepublik vom Journalismus fremd sei.

Bei dem gesamtdeutschen Sportgespräch am vorigen Mittwoch in Dresden gab es keinen Fortschritt. Die Vertreter des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) beharrten darauf, daß die „politische Einheit Westberlin“ nicht zum Geltungsbereich des bundesdeutschen Sports gehöre.

„Wir haben beiderseits unsere Standpunkte dargelegt und dann festgestellt, daß wir uns im Kreise drehen“, resümierte der Präsident des Deutschen Sportbundes (der Bundesrepublik), Wilhelm Kregel. Eine neue Zusammenkunft soll am 10. Mai in Frankfurt stattfinden.

Ohne Einigung auf einen neuen Gesprächstermin, wenngleich in freundlichem Klima endeten einen Tag später Gespräche zwischen dem DGB-Vorsitzenden Vetter und dem Vorsitzenden des Ostberliner Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), Warnke, in Düsseldorf. Nach (FDGB), Worten hat sich gezeigt, „daß Unterschiede der Gesellschaftsordnung kein Hindernis seien, sachlich miteinander zu sprechen“. Themen waren die Mitbestimmung in der Bundesrepublik und die „Sozialistische Betriebsdemokratie“. Die Einzelgewerkschaften und die Jugendorganisationen beider Seiten sollen Kontakte knüpfen.